Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527998
Tendenz. 
Gehalt und 
135 
Indem Goethe den Künstler verteidigt gegen 
andersartige Geister, die ihm Grenzen und Zwecke vor- 
schreiben wollen, indem er betont, dafs die Kunst nur 
ästhetischen Gesetzen zu gehorchen habe, lehnt er nicht 
zugleich ab, dafs sie auch sittlichen Nutzen haben könne. 
S0 urteilt er von der Musikf) dafs sie so wenig als 
irgend eine Kunst auf Moralität zu Wirken verstehe, 
immer sei es falsch, wenn man solche Leistungen von 
den Künsten verlange, dazu seien Philosophie und 
Religion da; moralische Erweckungen der Pietät und 
Pflicht würden die Künste immer nur zufällig veranlassen. 
„Was sie aber vermögen und Wirken, das ist eine 
Milderung roher Sitten," und hier ist sogar eine Aus- 
artung in Weichlichkeit nicht ausgeschlossen. Die 
Kunst, namentlich die idealistische, wie Goethe sie 
Wünscht, umgiebt uns mit gröfseren Menschen, die eine 
edlere Sprache reden als die Wirklichkeit. Als Goethe 
in Rom unter antiken Statuen lebte, vortreffliche Ab- 
güsse schon erblickend, wenn er morgens die Augen 
aufschlug, schrieb er nieder: „All unser Denken und 
Sinnen ist von solchen Gestalten begleitet, und es wird 
dadurch unmöglich, in Barbarei zurückzufallenfw) 
Sein Herzog Alfons3) aber fügt die Umkehrung 
hinzu: 
vernimmt, 
"Und wer der_ Dichtkunst Stimme nicht 
Ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei." 
v 
Über diese allgemeine Hebung der Kultur hinaus 
haben die meisten Kunstwerke und Bücher auf die 
Moral des Publikums sehr wenig Einflufs. 
 Nachlese zu Aristote]es' Poetik, 1826. 
Bericht über April 1783.  3) Tasso V, I. 
Ital. 
Reise,
        

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