Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527966
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Goethes 
Ästhetik. 
fangsbuchstaben begnügen und dadurch dem Wohlstand 
seine Verbeugung machen, ohne die Sache aufzuopfern." 
Goethe konnte aber auch sehr verdriefslich werden, 
wenn ihm reife, lebenskundige Männer mit ihren „sitt- 
lichen Bedenken" kamen. "Ich hab's auch nicht für 
Euch, ich hab's für die jungen Mädchen geschrieben!" 
rief er einmal seinem alten Kameraden Knebel zu, als 
dieser die ,Wahlverwandtschaften' für gefährlich hielt. 
Goethe wufste von sich selbst und von vielen grofsen 
Dichtern aller Zeiten, dafs die sexuellen Naturalia 
zweifellos auf dem Felde der Kunst liegen. Wieland 
zum Beispiel war der ehrenwerteste, wohlmeinendste, 
sittlichste Mensch, aber bekanntlich hat gerade er sich 
oft versucht gefühlt, in seinen Dichtungen die Grenze 
des Anständigen und Schicklichen zu überschreiten; 
Goethe erwähnt es in seiner Gedächtnisrede auf den 
entschlafenen Freund und" bemerkt, dafs „von jeher das 
Genie solche Wagestücke unter seine Gerechtsame ge- 
zählt hat". Ein andermal urteilt erzl) "Die Kunst an 
und für sich selbst ist edel, deshalb fürchtet sich der 
Künstler nicht vor dem Gemeinen; ja, indem er es auf- 
nimmt, ist es schon geadelt, und so sehen wir die 
gröfsten Künstler mit Kühnheit ihr Majestätsrecht aus- 
üben." Und weiter: „In jedem Künstler liegt ein Keim 
von Verwegenheit, ohne den kein Talent denkbar ist, 
und dieser wird besonders rege, wenn man den Fähigen 
einschränken und zu einseitigem Zweck dingen und 
brauchen will." 
Auch in diesem Sinne ruft 
und schwunglosen Kritikern zu: 
der 
Dichter 
grämlichen 
Verschiedenes 
Einzelne 
über 
die 
Kunst.
        

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