Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527956
Gehalt und 
Tendenz. 
181 
für eine sittliche Volkserziehungsanstalt auszugeben, die 
dem Staate und der Gesellschaft unmittelbar nutzeJ) 
Dadurch werde die alte Gottschedische Mittelmäßigkeit 
immer wieder erneuert. Goethe ist denn auch als Theater- 
direktor von den Sittlichkeitseiferern belästigt. Als er 
das Schauspiel ,Ion' aufführen liefs, dessen Verfasser, 
der ältere Schlegel, in Weimar heftige Gegner hatte, 
gab es fast einen Skandal. Herders Gattin urteilte?) 
„ein schamloseres, frecheres, sittenverderbenderes Stück 
ist noch nicht gegeben"; der Gymnasialdirektor Böttiger 
wollte in Bertuchs Journal des Luxus und der Modent 
eine sehr scharfe Kritik veröffentlichen, und Goethe 
konnte sie nur durch die Drohung verhindern, dafs er 
bei ihrem Erscheinen die Direktion des Theaters nieder- 
legen würde. Bald darauf wurden seine ,Mitschtildigenf 
aufgeführt, und da er einer Krankheit wegen nicht 
dabei war, liefs er sich von Schiller berichten. „Es ist 
zwar hie und da etwas Anstöfsiges gewesen," schrieb 
dieser?) "aber die gute Laune, in die das Stück ver- 
setzt, hat diese Decenzrücksichten nicht aufkommen 
lassen." Goethe aber nahm sich vor, "das, was allen- 
falls noch zu direkt gegen die Decenz geht", zu mildern 
und zu vertuschen. Und ein paar Tage später liefs er 
sich von dem Freunde, der sich auf die Forderungen 
des Publikums besser verstand, über ,Rameaus Neffe" 
beraten. „Im Punkte der Decenz wufste ich nicht viel 
Zu erinnern," antwortete Schillerß) "Allenfalls könnte 
man sich bei den unanständigen Worten mit den An- 
1) Vgl. auch Aus meinem Leben III, I3, wo 
um 1770 geschildert wird.  2) In einem Briefe 
Januar 1802.  3) 17. januar 1805.  4) Am 24.  
das Theater 
an Knebel, 
Innuar 1805-
        

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