Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527922
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Ästhetik. 
Goethes 
Nun verlangt freilich der gemiifsigte Moralist nicht, 
(lafs jedes Dichterwerk sittliche Lehren predige, er will 
sich damit begnügen, dafs der Dichter das Sittengesetz 
anerkenne und sich ihm unterordne. Goethe antwortet: 
Anerkennen rnufsten die Künstler das Sittengesetz von 
jeher, deutliche ethische Phänömene wird derjenige nicht 
leugnen, der die ästhetischen heilig halt. "Thäten sie 
aber das Zweite," d. h. ordneten sie sich den Moralisten 
und ihren Gesetzen unter, „so wären sie verloren, und 
es wäre besser, dafs man ihnen gleich einen Mühlstein 
an den Hals hängte und sie ersäufte, als dafs man sie 
nach und nach ins Nützlich-Platte absterben liefsef") 
Namentlich verwahrte sich Goethe gegen jene Moral- 
pedanten, die das Sittlich-Äferwerfliche gar nicht oder 
doch nur unter deutlichem Ausdruck der moralischen 
Entrüstung des Künstlers dargestellt haben wollten. 
"Das Übel macht eine Geschichte und das Gute keine," 
antwortete er, als von Konfessionen die Rede warf) 
und der Philisterkritik, dafs man in seinen ,Wahl- 
verwandtschaftem keinen Kampf des Sittlichen mit der 
Neigung sehe, entgegnete er, dafs dieser Kampf hinter 
der Scene liege, wie man bei einiger Aufmerksamkeit 
sich sagen müsse, und dafs sich das bei diesem Werke 
so gehöre. Denn die Personen darin sind vornehme 
Leute und betragen sich wie solche, sie behaupten bei 
allem inneren Zwiespalt das äufsere Dekorumß) 
Wenn man etwa einwarß dafs solche Darstellung 
des Unrechten dem Leser schaden, ihn in unerwünschter 
Weise aufklären könnte, so erwiderte erz4) "Es müfste 
1) Brief an I. H. Meyer, 20. Juni UI- e) Zu Ricmer 1810. 
 s) Zu Riemcr, 6. und I0. Dezember 1809.  4) Eckermann, 
17. März 1830.
        

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