Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527918
Tendenz. 
Gehalt und 
177 
eine Jungfrau mit dem Kinde ein durchaus guter Gegen- 
stand, der hundertmal behandelt worden und immer 
gern wieder gesehen wird." 
Neben den Frommen präsentieren die Moralisten 
ihre Forderungen an die Kunst, und auch sie müssen 
eine freundliche Abweisung erfahren. Der Künster hat 
das Sinnlich-Höchste darzustellen, nicht das Sittlich- 
Höchste 51) das Sinnlich-Schöne kann eine vortreffliche 
sittliche Beziehung haben und gewinnt dann dadurch, 
aber es mufs sie nicht haben. Weil die Kunst sehr oft 
sittliche Probleme behandelt, kommt man leicht zu dem 
Wunsche, dafs sie in unser moralisches Urteil einstimmen 
möchte. Das darf aber keine Vorschrift werden, denn die 
Darstellung des Künstlers hat „keinen didaktischen Zweck. 
Sie billigt nicht, sie tadelt nicht, sondern sie entwickelt 
die Gesinnungen und Handlungen in ihrer Folgef") 
Wo der Künstler überhaupt belehrend wirkt, darf er es 
nur unmerklich thunß) Es giebt Kunstwerke, deren 
eigentlicher Charakter gerade darin liegt, dafs sie den 
Menschen nicht auf sich selbst zurück, sondern aus 
sich hinaus ins unbedingte Freie führen. So haben wir 
in den Märchen, die doch gewifs echteste Poesie sind, 
blolse Spiele einer leichtfertigen Einbildungskraft, die 
vom Wirklichen bis zum Unmöglichen hin und wieder 
schwebt und das Unwahrscheinlichste als etwas Wahr- 
haftes vorträgtß) 
1) Vgl. ,Lctzte Kunstausstellungß x805.  2) Aus meinem 
Leben III.  3) Über das Lchrgedicht, 1825, s. auch Be- 
sprechung von Hebels Alcm. Gedichten.  4) Noten zum Divan. 
W. Bode, Goethes Ästhetik. 12
        

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