Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527907
176 
Goethes 
Ästhetik. 
Erfindungen des Altertums seien alle Glaubenssachen 
gewesen, wir aber wiederholten sie nur als Phantasterei. 
Aber Goethe verlangte doch auch eine reinliche Scheidung 
zwischen Religion und Kunst, womit ja eine gelegent- 
liche Verbindung beider nicht ausgeschlossen ist. Er 
erklärte: „Die Religion bedarf keines Kunstsinns, sie 
ruht auf ihrem eignen Ernst; sie verleiht aber auch 
keinen, so wenig sie Geschmack giebtf") Wir wissen 
schon, wie ärgerlich ihm jene Auchkünstler waren, die 
ihre Mängel an künstlerischeln Vermögen durch 
Frömmigkeit zu ersetzen suchten, und ebenso jene 
"Theoretiker, die die Religion zum alleinigen Fundament 
der Kunst machen wollten und sich gar zu Folgerungen 
verstiegen wie die: einige Mönche waren Künstler, 
deshalb sollten alle Künstler Mönche seinle) "Die 
Religion," sagte dagegen Goetheß) "steht in demselbigen 
Verhältnis zur Kunst wie jedes andere höhere Lebens- 
interesse auch. Sie ist blofs als Stoff zu betrachten, 
der mit allen übrigen Lebensstoffen gleiche Rechte hat. 
Auch sind Glaube und Unglaube durchaus nicht die- 
jenigen Organe, mit welchen ein Kunstwerk aufzufassen 
ist, vielmehr gehören dazu ganz andere menschliche 
Kräfte und Fähigkeiten. Die Kunst aber soll für die- 
jenigen Organe bilden, mit denen wir sie auffassen; 
thut sie das nicht, so verfehlt sie ihren Zweck und 
geht ohne die eigentliche Wirkung an uns vorüber. 
Ein religiöser Stoff kann indefs gleichfalls ein guter 
Gegenstand für die Kunst sein, jedoch nur in dem 
Falle, wenn er allgemein menschlich ist. Deshalb ist 
I) 
1802.  
Verschiedenes Einzelne über die 
 3) Eckcrmann, 2. Mai 1824. 
Kunst. 
e) Annalen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.