Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527894
un d 
Gehalt 
Tendenz. 
175 
Wundergestalten der antiken Mythen. „Als Dichter und 
Künstler bin ich Polytheist," erklärte derselbe Goethe, 
der als Naturforscher Pantheist warf) und wir wissen, 
dafs er im ,Faustf von Anfang bis Ende eine ganze 
Heerschar der verschiedensten Fabelwesen walten liefs. 
Er beklagte es, dafs die modernen Dichter nicht so be- 
quem wie die antiken mit Göttern, Wahrsagern, Orakeln 
u. dgl. hantieren können und so wenig Ersatz dafür 
haben?) Er erklärt, dafs dem Poeten selbst der Aber- 
glaube nicht schade, da er ihn oft verwerten könne. 
ja, er verteidigt den Aberglauben überhaupt, und wenn 
]ustus Möser betonte, dafs hinter abergläubischen Vor- 
Stellungen oft recht brauchbare Lebensregeln steckten, 
so hatte Goethe künstlerisches Wohlgefallen daranß) 
„Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens; beide er- 
finden eingebildete Wiesen, und zwischen dem Wirklichen, 
Handgreiflichen ahnen sie die seltsamsten Beziehungen; 
Sympathie und Antipathie waltet hin und her." Freilich 
verwendet die Kunst solche Phantasieen nur gelegentlich, 
spielt nur damit, während der Aberglaube dauernde 
Fesseln aus ihnen macht. 
Bei dieser nahen Verwandtschaft zwischen künst- 
lerischem Schaffen und religiösem Glauben wird es uns 
nicht Wunder nehmen, wenn beide zur gleichen Zeit 
gedeihen. Goethe sagte sogar einmal zu Riemerß) die 
Menschen seien in Poesie und Kunst nur so lange 
produktiv, als sie noch religiös seien; nachher würden 
Sie blofs nachahmend und wiederholend, so wie wir es 
dem Altertum gegenüber sind. Denn die poetischen 
1) In einem Briefe an 1111517813.  2) Über epische und 
dramatische Dichtung, 1797.  3) Goethe, Aufsatz Justus 
Mösef 1822.  4) 26. März 1814, Bicdermann III, 124.
        

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