Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527881
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Goethes 
Ästhetik. 
im Dichter, sondern aus Mangel an Poesie im Gegen- 
standeÄ) 
"Sowie ein Dichter politisch wirken will, mufs er 
sich einer Partei hingeben, und sowie er dieses thut, 
ist er als Poet verloren; er mufs seinem freien Geiste, 
seinem unbefangenen Überblick Lebewohl sagen und 
dagegen die Kappe der Borniertheit und des blinden 
Hasses über die Ohren ziehen." 
Deshalb bleibt Goethe dabei: "Der Dichter steht viel 
zu hoch, als (lafs er Partei nehmen solltet") 
Viel schwieriger ist es, Kunst und Religion aus- 
einanderzuhalten. Beide gleichen sich zuerst darin, (lafs sie 
sich an das Innerste im Menschen wenden und einen fest- 
täglichen Charakter haben 5 viele Leute ziehen daher beide 
nur bei besonderen Gelegenheiten in ihr-Leben hinein. So- 
dann stellen beide an die Phantasie dieselbe Anforderung: 
Begriffe und Ideen zu versinnlichen, Symbole und 
Personifikationen anzunehmen. Sie verlangen beide 
"Glauben", wenn auch nicht mit dem gleichen Grade 
von Ernst. Sie können z. B. diejenige Gottheit nicht 
brauchen, die der kritische Philosoph oder der Natur- 
forscher allenfalls noch gelten läfst; sie schaffen sich 
einen riesenhaften, aber noch mensclienähnlichen, für 
die Phantasie noch anschaulichen jehovah, Zeus, Wodan. 
Und dem Dichter genügt ein einziger Gott so wenig, 
wie der Glaube damit auszukonimen pflegt; er bedarf 
darüber hinaus noch der Engel und Erzengel, der 
Teufel und verdammten Geister oder der tausend 
1) Eckermann, 
Eingeschaltetes. 
im 
März 
1832. 
Noten 
zum 
Divnn.
        

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