Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527863
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Goethes 
Ästhetik. 
damit habe erreichen wollen; er bilde sich nicht ein, 
irgend ein hübscher Mann könne dadurch von dem 
Gelüst, nach eines Andern Weib zu blicken, gereinigt 
werdenJ) Und Goethe fügte hinzu: „Es ist ein grenzen- 
loses Verdienst unseres alten Kant um die Welt, und 
ich darf auch sagen: um mich, dafs er in seiner ,Kritik 
der Urteilskraft" Kunst und Natur nebeneinander stellt 
und beiden das Recht zugesteht, aus grofsen Prinzipien 
zwecklos zu handeln. So hatte mich Spinoza früher 
schon in dem Hafs gegen die absurden Endursachen 
geglaubiget. Natur und Kunst sind zu grofs, um auf 
Zwecke auszugehen, und haben's auch nicht nötig, denn 
Bezüge giebt's überall, und Bezüge sind das Leben." 
Wir ahnen nun schon, wie Goethe über patriotische 
religiöse, moralische und sonstige Tendenzdichtung ur- 
teilen wird. Der Dichter ist als solcher kein deutscher 
oder dänischer Patriot, kein liberaler oder konservativer 
Politiker; sobald sein politischer Glaube ihn stark be- 
herrscht, wird seine Poesie darunter leiden. „Der 
Dichter wird als Mensch und Bürger sein Vaterland 
lieben, aber das Vaterland seiner poetischen Kräfte 
und seines poetischen Wirkens ist das Gute, Edle und 
Schöne, das an keine besondere Provinz und an kein 
besonderes Land gebunden ist, und das er ergreift und 
bildet, wo er es findet. Er- ist darin dem Adler gleich, 
der mit freiem Blick über Ländern schwebt, und dem 
es gleichviel ist, ob der Hase, auf den er herabschiefst, 
in Preufsen oder in Sachsen läuft. 
„Und was heifst denn: sein Vaterland lieben, und 
was heifst denn: patriotisch wirken? Wenn ein Dichter 
Zcltcr, 
An 
Januar 
1830.
        

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