Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527857
und 
Gehalt 
Tendenz. 
171 
fafslicher, aber nicht ästhetisch besser würden. Und er 
wünschte weiterhin klarzustellen, dafs der Künstler 
nicht eine Art Prediger oder Schulmeister oder Philosoph 
sei. Wohl wissen wir, dafs nicht selten in einer Person 
Poetentum und Prophetentum zusammentliefsen, aber 
wie Mohammed heftig beteuerte, er sei Prophet und nicht 
Poet, so wollte auch Goethe die Unterschiede zwischen 
beiden scharf betonenl): "Beide sind von einem Gott 
ergriffen und befeuert, der Poet aber vergeudet die ihm 
verliehene Gabe im Genufs, um Genufs hervorzubringen, 
Ehre durch das Hervorgebrachte zu erlangen, allenfalls 
ein bequemes Leben. Alle übrigen Zwecke versäumt 
er, sucht mannigfaltig zu sein, sich in Gesinnung und 
Darstellung grenzenlos zu zeigen. Der Prophet hin- 
gegen sieht nur auf einen einzigen bestimmten Zweck; 
solchen zu erlangen bedient er sich der einfachsten 
Mittel. Irgend eine Lehre will er verkünden und, wie 
um eine Standarte, durch sie und um sie die Völker 
versammeln. Hierzu bedarf es nur, dafs die Welt glaube; 
er mufs also völlig eintönig werden und bleiben; denn 
das Mannigfaltige glaubt man nicht, man erkennt es." 
Die Kunst ist keine Dienerin fremder Zwecke. Wir 
lasen eben, dafs die ,Wahlve1wvandtschaftem nach einer 
durchgreifenden Idee geschaffen sind, ein andermal 
sagte der Dichter, als er eben den Roman angefangen 
hattef) seine Idee sei: soziale Verhältnisse und die 
Konflikte derselben symbolisch gefafst darzustellen. Aber 
61' hat später kräftig betont, dafs er keinen Zweck 
1) Noten zum 
August 1868. 
Divan. 
Zu 
Ricmcr 
in 
Karlsbad,
        

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