Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527825
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Goethes 
Ästhetik. 
für 
das 
Einzelne 
Gesetz 
ist 
und 
dem 
Einzelnen 
seine 
Bedeutung giebt. 
Luden horchte erfreut auf und äufserte listig, über 
die Grundidee der-Dichtung könne freilich der Dichter 
am besten Auskunft geben. Aber er sollte enttäuscht 
werden, denn Goethe antwortete: 
„Mit diesem Aufschlufsgeben wäre die ganze Herr- 
lichkeit des Dichters dahin. Der Dichter soll doch 
nicht sein eigener Erklärer sein und seine Dichtung in 
alltägliche Prosa fein zerlegen; damit würde er aufhören, 
Dichter zu sein. Der Dichter stellt seine Schöpfung in 
die Welt hinaus; es ist Sache des Lesers, des Ästhetikers, 
des Kritikers, zu untersuchen, was er mit seiner Schöpfung 
gewollt hat." 
Und obwohl das Gespräch über den ,P'aust' lange 
dauerte, gelang es Luden nicht, den "Grundgedanken" 
herauszulocken. Goethe verwahrte sich nur dagegen, 
dafs er nur so ins Blaue hinein gedichtet und sich nur 
des Namens „Faust" wie einer Schnur bedient habe, 
um die einzelnen Perlen aufzuziehen und vor der 
Zerstreuung zu bewahren. 
Ein Kunstwerk mufs eine Einheit sein, aber freilich 
ist damit nicht gesagt, dafs es nur durch eine Grund- 
idee zu einer Einheit werden könne. Der Name "Faust" 
wäre höchstens eine Perlenschnur, aber der Charakter 
Faust giebt in seinem Verhältnisse zu Welt und Leben 
doch schon den Mittelpunkt eines abgerundeten Bildes. 
Auch nach der Idee des ,Tasso' fragte man einmal 
bei einer "Fischgesellsch-aft in Goethes Hauseß) "Idee P" 
rief der Dichter aus, "dafs ich nicht wüfste! Ich hatte 
Eckermann, 
Mai 
1827'
        

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