Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527796
Stoff. 
I)er 
155 
Niemand spricht zu allen Zeiten die gleichen Urteile 
aus, und so wäre es nicht schwer, bei Goethe Wider 
Sprüche zu entdecken. Goethe übertrieb einzelne 
Wahrheiten unbewufst oder bewufst, weil er gerade 
kräftig von ihnen ergriffen oder weil er beilissen war, 
sich recht deutlich zu machen. Schon Eckermann macht 
auf die so entstandenen Widersprüche aufinerksamf) 
gerade auch in Bezug auf den Stoff der Kunstwerke: 
"Bald legt er alles Gewicht auf den Stoff, welchen 
die Welt giebt, bald alles auf das Innere des Dichters; 
bald soll alles Heil im Gegenstande liegen, bald alles 
in der Behandlung; bald soll es von einer vollendeten 
Form kommen, bald, mit Vernachlässigung aller Form, 
alles vom Geiste." 
Eckermann hat ganz recht, wenn er verlangt, dafs 
der Leser aus solchen einseitigen Bildern ganze Körper 
zusammensetzen müsse, "das Ganze im Auge halten 
und alles gehörig zurechtlegen und vereinigen". 
Über die hohe Bedeutung des Stoffes haben wir 
Goethes Urteil gelesen; er sagt uns aber auch, dafs die 
Kunst gerade dann immer höher in ihre eigensten Re- 
gionen steigt, wenn das Stoffartige, das bekanntlich die 
Menge zuerst an das Kunstwerk lockt, ganz der Aufmerk- 
Samkeit entschwindet. De1' Theaterdirektor, der das grofse 
Publikum kennt, fordert vor allen Dingen, dafs vieles 
vor den Augen abgesponnen werde: "Besonders aber 
laist genug geschehn!" Der Dichter jedoch fühlt, „wie 
schlecht ein solches Handwerk sei, wie wenig das dem 
echten Künstler zieme." 
Vorrede 
Zll 
seinen 
Gesprächen.
        

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