Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527759
Der Stoff. 
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ist; aber Sie werden linden, dafs eben diese beiden 
gewaltigen Hilfen, die Geschichte und Philosophie, dem 
Werke an verschiedenen Teilen im Wege sind und 
seinen reinen poetischen Succefs hindern. S0 leidet 
Manzoni durch ein Übergewicht der Geschichte." 
Schon früher hatte Goethe über diesen Mangel bei 
dem jungen Italiener geklagtß) 
„Er hat gar zu viel Respekt vor der Geschichte und 
fügt aus diesem Grunde seinen Stücken immer gern 
einige Auseinandersetzungen hinzu, in denen er nach- 
weist, wie treu er den Einzelheiten der Geschichte ge- 
blieben. Nun mögen seine Fakta historisch sein, aber 
seine Charaktere sind es doch nicht, so wenig es mein 
Thoas und meine Iphigenia sind. Kein Dichter hat je 
die historischen Charaktere gekannt, die er darstellte; 
hätte er sie aber gekannt, so hätte er sie schwerlich 
so gebrauchen können. Der Dichter mufs wissen, welche 
Wirkungen er hervorbringen will, und danach die Natur 
seiner Charaktere einrichten. Hätte ich den Egmont 
so machen wollen, wie ihn die Geschichte meldet, als 
Vater von einem Dutzend Kinder, so würde sein leicl1t- 
sinniges Handeln sehr absurd erschienen sein. Ich 
mufste also einen andern Egmont haben, wie er besser 
mit seinen Handlungen und meinen dichterischen Ab- 
sichten in Harmonie Stände, und dies ist, wie Klärchen 
sagt, mein Egmont". 
„Und wozu wären denn die Poeten, wenn sie blofs 
die Geschichte eines Historikers wiederholen wollten! 
Der Dichter mufs weiter gehen und uns womöglich 
etwas Höheres und Besseres geben. Die Charaktere 
1) Eckcrmann, 31. Januar 
YV. Rode, Goethes Ästhetik. 
1827-
        

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