Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527747
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Goethes 
Ästhetik. 
Man halte diese Bedingungen, unter denen allein ein 
klassischer Schriftsteller, besonders ein prosaischer, 
möglich wird, gegen die Umstände, unter denen die 
besten Deutschen dieses Jahrhunderts gearbeitet haben, 
so wird, wer klar sieht und billig denkt, dasjenige, was 
ihnen gelungen ist, mit Ehrfurcht bewundern und das, 
was ihnen mifslang, anständig bedauern. Eine bedeutende 
Schrift ist, wie eine bedeutende Rede, nur Folge des 
Lebens; der Schriftsteller so wenig als der handelnde 
Mensch bildet die Umstände, unter denen er geboren 
wird und unter denen er wirkt. jeder, auch das gröfste 
Genie, leidet von seinem Jahrhundert in einigen Stücken, 
wie er von andern Vorteil zieht, und einen vortreff- 
lichen Nationalschriftsteller kann man nur von der 
Nation fordern." 
Wenn nun aber die Dichter in einer kleinen Zeit 
leben, so ist die Gefahr nahe, dafs ihre Poesie von 
Gelehrsalnkeit überwuchert wird, gleichviel, ob sie 
historischen Werken oder der Gedankenwelt der Denker 
und Forscher ihre Stoffe und Anregungen entnehmen. 
Goethe und Eckermann sprachen 1827 viel über 
Manzonis ,Verl0bte'.') 
"Mzinzoni ist ein geborener Poet, so wie Schiller 
einer war. Doch unsere Zeit ist so schlecht, dal's dem 
Dichter im umgebenden menschlichen Leben keine 
brauchbare Natur mehr begegnet. Um sich nun aufzu- 
erbauen, griff Schiller zu zwei grofsen Dingen: zur 
Philosophie und Geschichte; Manzoni zur Geschichte 
,allein. Schillers ,Wallenstein' ist so grofs, dal's in seiner 
Art zum zweitenmal nicht etwas Ähnliches vorhanden 
Juli 
1827-
        

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