Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527719
Der 
Stoff. 
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sei, dafs hinter den vorgeschobenen Personen durchaus 
etwas Allgemeines, Höheres verborgen liegef") Selbst 
seine eigeneLebensgeschichte glaubte Goethe nurmit dieser 
höheren künstlerischen Erhöhung erzählen zu dürfen?) 
„Ich dachte," sagte er zu Eckermann, "es steckten 
darin einige Symbole des Menschenlebens. Ich nannte 
das Buch ,Wahrheit und Dichtung", weil es sich durch 
höhere Tendenzen aus der Region einer niedern Realität 
erhebt. Jean Paul hat nun, aus Geist des Widerspruchs, 
,Wahrheit' aus seinem Leben geschrieben. Als ob die 
Wahrheit aus dem Leben eines solchen Mannes etwas 
Anderes sein könnte, als dal's der Autor ein Philister 
gewesen! Ein Faktum unseres Lebens gilt nicht, insofern 
es wahr ist, sondern insofern es etwas zu bedeuten hatte." 
Wohl schliefst unser Dichter sein gröfstes Werk mit 
dem mystischen Chor 
"Alles Vcrgängliche 
Ist nur ein Gleichnis." 
Dieser Satz enthält jedoch nur eine ethisch-religiöse 
Ahnung und Forderung. Der arme Menschengeist 
reicht nicht so weit, dafs er wie jene der Gottheit zu- 
nächst Wohnenden in allem Vergänglichen ein Abbild 
des ewigen Wesens erkennen könnte. Darum greift 
der Künstler auch nicht irgend etwas aus allem Ver- 
gänglichen heraus, sondern nur dasjenige, was wir als 
Gleichnis des Unvergänglichen schon fassen können. 
Schon als halbwüchsiger Knabe hat Goethe in seinem 
YTaterhauSe mit alten Malern disputiert wie der zwölf- 
jährige Jesus mit den Schriftgelehrten; der rechte Stoff 
1) v, Müller, 
Januar 1 82 1. 
9) Eckermann, 
3o.März 1831.
        

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