Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527709
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Goethes 
Ästhetik. 
das, was sie wünscht, auch beseligt wordenf") Lessings 
,Minna von Barnhelm" hatte sofort nach ihren Erscheinen 
„eine nie zu berechnende Wirkung" gemacht. Goethe 
zeigt uns die symbolische Bedeutung, die die Zeit- 
genossen stärker empfanden als wir Späteren. „Die 
gehässige Spannung, in welcher Preufsen und Sachsen 
sich während dieses (d. h. des siebenjährigen) Krieges 
gegeneinander befanden, konnte durch die Beendigung 
desselben nicht aufgehoben werden. Der Sachse fühlte 
nun erst recht schmerzlich die Wunden, die ihm der 
überstolz gewordene Preufse geschlagen hatte. Durch 
den politischen Frieden konnte der Friede zwischen 
den Gemütern nicht sogleich hergestellt werden; dieses 
aber sollte gedachtes Schauspiel in Bälde bewirken. 
Die Anmut und Liebenswürdigkeit der Sächsinnen über- 
windet den Wert, die Würde, den Starrsinn der Preufsen, 
und sowohl an den Hauptpersonen als den Subalternen 
wird eine glückliche Vereinigung bizarrer und wider- 
strebender Elemente kunstgemäfs dargestellt") 
Auch wenn Goethe von dem grofsen Aufsehen, das 
der ,Werther' überall hervorrief, redete, so fügte er 
hinzu: „das allgemein Menschliche drang durch."3) Und 
als er die ,Wahlverwandtschaften' schrieb, äufserte er, 
seine Idee sei: menschlich-gesellige Verhältnisse und 
ihre Konflikte, symbolisch gefafst, darzustellenß) Auch 
am ,Wilhelm Meisten freute und beruhigte es den Dichter 
später, „dafs der ganze Roman durchaus symbolisch 
1) Besprechung von Stapfers französischer Übersetzung des 
F'a.ust, 1828.  2) Aus meinem Leben II, 7.  8) Ausw. 
Litteratur und Volkspoesie. Einzelheiten.  4) Zu Riemcr, 
Bieclermann, II, 216. Goethe sagte "soziale Verhältnisse", er 
brauchte das hVort "sozial" nicht im heutigen Sinne.
        

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