Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527647
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Goethes 
Ästhetik. 
"Herr Jesus, der die Welt durchwandcrt, 
Ging einst an einem Markt vorbei; 
Ein toter Hund lag auf dem Wege, 
Geschleppt vor eines Hauses Thor; 
Ein Haufe stand ums Aas umher, 
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1c 
sich 
Geier 
um 
Äser 
sammeln. 
Der eine sprachr ,Mir wird das Hirn 
Von dem Gestank ganz ausgelöschtf 
Der andre spracht ,Was braucht es viel! 
Der Gräber Auswurf bringt nur [Inglückf 
S0 sang ein jeder seine Weise, 
Des toten Hundes Leib zu schmähcn. 
Als nun an Jesus kam die Reih', 
Sprach ohne Schmähül er guten Sinns, 
Er sprach aus gütiger Natur: 
,Die Zähne sind wie Perlen weifsä"  
ja, wer solches Ziel erreicht, darf uns eine Strecke 
durch Morast Führen. Und sehen wir hier nicht, wie 
der Dichter und Jesus sich in gleicher Weise der Wirk- 
lichkeit gegenüberstellen, wie Ästhetik und Ethik in 
ihren Gesetzen verwandt sind? 
Von Schiller schreibt Goethe einmal das schöne 
Wort, ihm sei eine Christus-Tendenz eingeboren ge- 
wesen?) „Er berührte nichts Gemeines, ohne es zu 
veredeln. Seine innere Beschäftigung ging dahin." Ja, das 
Dichten ist ein Veredelungsprozefs, kein Herbeischaffen 
von Rohstoffen. 
Brauchbar also wird in den Händen eines grofsen 
Meisters schliefslich jeder Stoff, aber anzuraten sind 
doch nur wenige. Jeder Künstler mufs diese wenigen 
suchen und auswählen. 
An 
Zelter, 
November 
1830.
        

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