Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526202
Goethes 
Ästhetik. 
Zweckmlifsigkeit ihres Baues? Es war nicht blofs das 
Zierliche, Leichte, Graziöse ihrer Bewegungen, sondern 
noch etwas mehr, worüber ein guter Reiter und Pferde- 
kenner reden müfste und wovon wir andern blofs den 
allgemeinen Eindruck empfinden." 
"Könnte man nicht auch," fragte sein Begleiter, 
"einen Karrengaul schön nennen, wie uns vorhin einige 
sehr starke vor den Frachtwagen der Brabanter Fuhr- 
leute begegneten?" 
"Allerdings," erwiderte Goethe, „und warum nicht? 
Ein Maler fände an dem stark ausgeprägten Charakter, 
an dem mächtigen Ausdruck von Knochen, Sehnen 
und Muskeln eines solchen Tieres wahrscheinlich noch 
ein weit mannigfaltigeres Spiel von allerlei Schönheiten 
als an dem mildern, egalern Charakter eines zierlichen 
Reitpferdes.  
"Die Hauptsache ist immer," fuhr Goethe fort, „dafs 
die Rasse rein und der Mensch nicht seine ver- 
stümmelntle Hand angelegt hat. Ein Pferd, dem Schweif 
und Mähne abgeschnitten, ein Hund mit gestutzten 
Ohren, ein Baum, dem man die mächtigsten Zweige 
genommen und das übrige kugelformig geschnitzelt hat, 
und über alles eine Jungfrau, deren Leib von Jugend 
auf durch Schnürbrüste verdorben und entstellt worden, 
alles dieses sind Dinge, von denen sich der gute 
Geschmack abwendet und die blofs in dem Schönheits- 
katechismus der Philister ihre Stelle haben." 
Hier brach das Gespräch ab. Dafs Druck und 
Zwang die Menschen häfslich mache, hat Goethe öfters 
beklagt; so schalt er auf die norddeutsche Sitte, dal's
        

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