Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527601
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Goethes 
Ästhetik. 
Griechen, die sich bis auf Menander, Longus und andere, 
wenig bekannte Poeten erstreckteß) erklärt sich nament- 
lich daraus, dafs sie eine Kultur darstellen, die er der 
Menschheit gern wieder gegönnt hätte. Und ebenso 
liebte er in Moliere namentlich auch den Vertreter 
einer 
edlen 
Kultur. 
"Es ist nicht blofs das vollendet künstlerische Ver- 
fahren, was mich an ihm entzückt, sondern vorzüglich 
auch das liebenswürdige Naturell, das hochgebildete 
Innere des Dichters. Es ist in ihm eine Grazie und 
ein Takt für das Schickliche und ein Ton des feinen 
Umgangs, wie es seine angeborene schöne Natur nur 
im täglichen Verkehr mit den vorzüglichsten Menschen 
seines Jahrhunderts erreichen konntef") 
Den Rat, der aus diesem letzten Satze klingt, hat 
Goethe oft dahin erweitert, dafs man mit den besten 
Menschen aller Zeiten täglich verkehren solle, was uns- 
ja ihre hinterlassenen Werke gestatten. Dann werden 
wir grofs und heiter auf die irdische Welt blicken; dann 
können wir auch, wenn die Musen uns besuchen wollen, 
wie die Griechen die geringere reale Natur zu der Höhe 
unseres Geistes heranheben und dasjenige vollenden, 
was in den natürlichen Erscheinungen aus innerer 
Schwäche oder aus äufserern Hindernis nur Intention 
geblieben istß) Dann leben wir nicht mehr dem Tage, 
vergehen nicht mit ihm, sondern wir sehen die alten 
und neuen Zeiten und die Länder der Erdei vor 
1) Eckermann, 28. März 1827 und Riemer, 22. 
Biedermann II, I76.  2) Eckermann, 28. März 
3) Eckermann, 20. Oktober 1828.
        

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