Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527553
Dichters 
Des 
Lchrj ahre. 
141 
Einige Zeit vorher hatte ihm Eckermann gestanden, 
dal's er eine grofse Dichtung über die Jahreszeiten 
planeß) Goethe riet ihm von diesem wie von jedem 
andern grofsen Plane ab, am meisten vor grofsen eigenen 
Erfindungen. Denn in solchen wolle man doch eine 
Ansicht der Dinge geben, und die ist in der jugend 
selten reif. Da sei es schon besser, einen gegebenen 
Stoff noch einmal zu bearbeiten, dann brauche man 
nicht soviel von Eigenem hinzuzuthun. Aber am ge- 
ratensten sei es, sich in jungen Jahren nicht in die 
Hände eines grofsen Gegenstandes zu geben. Diese 
grofsen Aufgaben halten uns fest, dafs wir vieles Kleine, 
was uns sonst die Tage anbieten würden, nicht ergreifen. 
"Nehmen Sie Sich in Acht vor einer grofsen Arbeit! 
Das ist's eben, woran unsere Besten leiden, gerade 
diejenigen, in denen das meiste Talent und das tüchtigste 
Streben vorhanden. Ich habe auch daran gelitten und 
weifs, was es mir geschadet hat. Was ist da nicht 
alles in den Brunnen gefallen! Wenn ich alles gemacht 
hätte, was ich recht gut hätte machen können, es 
würden keine hundert Bände reichen. 
„Die Gegenwart will ihre Rechte; was sich täglich 
im Dichter von Gedanken und Empfindungen aufdrängt, 
das will und soll gesprochen sein. Hat man aber ein 
gröfseres Werk im Kopfe, so kann nichts daneben auf- 
kommen, so werden alle Gedanken zurückgewiesen, und 
man ist für die Behaglichkeit des Lebens selbst so lange 
verloren. Welche Anstrengung und Verwendung von 
Geisteskraft gehört nicht dazu, um nur ein grofses 
Ganzes in sich zu ordnen und abzurunden, und welche 
Eckcrmann, 
September 
1823"
        

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