Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527547
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Goethes 
Ästhetik. 
verderben Sie Ihre schönsten Stunden und Tage. Und 
dann, alle neuen Bücher, die Sie einigermafsen gründlich 
anzeigen wollen, müssen Sie doch auch nicht blofs 
durchblättern, sondern sogar studieren. Wie würde 
Ihnen das munden! Und endlich, wenn Sie das 
Schlechte schlecht finden, dürfen Sie es nicht einmal 
sagen, wenn Sie Sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, 
mit aller Welt in Krieg zu geraten. Nein, wie gesagt, 
schreiben Sie das Anerbieten ab, es liegt nicht in 
Ihrem Wege. Überhaupt hüten Sie sich vor Zersplitterung 
und halten Sie Ihre Kräfte zusammen. Wäre ich vor 
dreifsig Jahren so klug gewesen, ich würde ganz andere 
Dinge gemacht haben. Was habe ich mit Schiller an 
den ,Horen' und ,Musenaln1anachen' nicht für Zeit 
verschwendet!    Was haben wir davon, wenn 
unsere Haare auf eine Nacht gewickelt sind? Wir 
haben Papier in den Haaren, das ist alles, und am 
andern Tage sind sie doch wieder schlicht." 
"Es kommt darauf an," fuhr Goethe fort, „dafs Sie 
Sich ein Kapital bilden, das nie vergeht. Dieses werden 
Sie erlangen in dem begonnenen Studium der englischen 
Sprache und Litteratur." 
Einige Tage später meldete Eckermann, dafs er das 
englische Anerbieten abgelehnt habe?) "Gottlob!" rief 
Goethe aus. "Nun will ich Sie gleich noch vor etwas 
warnen. Es werden die Komponisten kommen und 
eine Oper haben wollen; aber da seien Sie gleichfalls. 
nur standhaft und 1el1nen Sie ab, denn das ist auch 
eine Sache, die zu nichts führt und womit man seine 
Zeit verdirbt." 
- 
1) 9. Dezember 1824.
        

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