Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526191
Schi 
um 
UJIS 
herum. 
nichts; aber ein hundertjähriger Kampf mit den Ele- 
menten macht sie stark und mächtig, so dafs nach voll- 
endetem Wuchs ihre Gegenwart uns Erstaunen und 
Bewunderung eintlöfst." 
]etzt glaubte Eckermann die erwünschte Definition 
zu haben und meinte: „Könnte man nicht aus diesen 
Ihren Andeutungen ein Resultat ziehen und sagen: ein 
Geschöpf sei dann schön, wenn es zu dem Gipfel seiner 
natürlichen Entwickelung gelangt sei?" 
"Recht wohl," erwiderte Goethe, „doch müfste man 
zuvor aussprechen, was man unter dem Gipfel der 
natürlichen Entwickelung wolle verstanden haben." 
"Ich würde damit," erwiderte Eckermann, "die- 
jenige Periode des Wachstums bezeichnen, wo der 
Charakter, der diesem 0der_ jenem Geschöpf eigen- 
tümlich ist, vollkommen ausgeprägt erscheint." 
„In diesem Sinne," gab Goethe zu, "wäre nichts 
dagegen einzuwenden, besonders wenn man noch hin- 
zufügte, dafs zu solchem vollkommen ausgeprägten 
Charakter zugleich gehöre, dafs der Bau der ver- 
schiedenen Glieder eines Geschöpfes dessen Natur- 
bestimmung angemessen und also zweckmäßig sei. 
„So wäre z. B. ein mannbares Mädchen, dessen 
Naturbestimmung ist, Kinder zu gebären und Kinder 
zu saugen, nicht schön ohne gehörige Breite des Beckens 
und ohne gehörige Fülle der Brüste. Doch wäre auch 
ein Zuviel nicht schön, denn das würde über das 
Zweckmäfsige hinausgehen." 
Goethes Gedanken schweiften nun zu den Rossen 
zurück, die das Gespräch hervorgerufen hatten. o 
"Warum konnten wir vorhin einige der Reitpferde, 
die uns begegneten, schön nennen, als eben wegen der
        

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