Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527527
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Gocth cs 
Ästhetik. 
genialische Auflnerksamkeit auf ein schon fertiges Werk 
hervorgebracht werden kann." Dem jungen Theodor 
Körner, dessen erste Dramen sein Vater nach Weimar 
sandte, riet Goethe, während der ersten Niederschrift 
nach wie vor an keine Künstelei zu denken. "Nirgends 
ist die Pedanterie, und also auch die rhythmische, weniger 
am Platze als auf dem Theaterf") Wenn aber das 
Stück fertig sei „so suche er allen Hiatus wegzubringen, 
sowie im Jambus die kurzen Silben an den langen Stellen." 
Was Goethe selbst angeht, so hat er viele seiner Werke, 
auch gröfsere, in einem Zuge hingeschrieben, ohne nachher 
etwas daran zu korrigieren, z. B. den ,Götz' in seiner 
ersten Form, die nicht gedruckt wurde. Manche hat er 
nachher in ganz neue zweite und dritte Formen gebracht f, 
auch hierfür ist der ,Götz' ein Beispiel  bei anderen 
wieder arbeitete er das erste Manuskript mehrere Male 
durch. Nicht immer Hofs ihm der rechte Ausdruck 
genialisch aus der Seele; zuweilen mufste er einen nach 
dem andern niederschreiben, um den besten zu erkennen. 
Z. B. schrieb oder diktierte er: 
Dafs hoher Schönheit holdes Glück sich nicht gesellt, 
Dafs dauernd Glück dic Schönheit nicht begleiten mag, 
Dafs nie vom Glück begleitet sei die schönste Frau, 
Erfreuen darf sich nie die Schönheit grofsen Glücks, 
Nie ward ein dauernd Glück der Schönsten zugeteilt, 
Dafs dauerhaft sich Glück und Schönheit nicht vereint, 
Dafs Glück und Schönheit lange nicht zusammcngehn, 
und dann wählte er schließlich: 
,Dafs 
Glück 
und 
dauerhaft 
Schönheit 
nicht vereintf 
sich 
1) An C. G. Körner, 23. April 1812. WVcim. Ausg. IV, 
22, 347.  3) In Faust V, 9940, von Max Morris in seinen 
Goethe-Studien besprochen.
        

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