Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527503
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Goethes 
Ästhetik. 
Shakespeare die Chroniken benutzte und ganze Stellen 
daraus wörtlich in seine Stücke aufgenommen hat, so 
könnte man einem jetzigen jungen Dichter auch wohl 
dergleichen zumuten. In meinem ,Clavigo' habe ich 
aus den Memoiren des Beaumarchais ganze Stellen." 
Wer nach solchen Ratschlägen arbeitet, kann einen 
längeren Faden spinnen, aber es geht freilich langsamer. 
Natürlich riet Goethe zur Sparsamkeit im Produzieren. 
Viktor Hugo, dessen Genie deutlich war, dessen Vor- 
liebe für gräfsliche Stoffe Goethe aber gar nicht billigte, 
Höfste ihm wegen seiner Fruchtbarkeit Besorgnis ein?)- 
„Wie soll Einer nicht schlechter werden und das 
schönste Talent zu Grunde richten," sagte Goethe von 
ihm, „wenn er die Verwegenheit hat, in einem einzigen 
jahre zwei Tragödien und einen Roman zu schreiben, 
und ferner, wenn er nur zu arbeiten scheint, um un- 
geheure Geldsummen zusammenzuschlagen. Ich Schelte 
ihn keineswegs, dafs er reich zu werden, auch nicht, 
dafs er den Ruhm des Tages zu ernten bemüht ist; 
allein wenn er lange in der Nachwelt zu leben gedenkt, 
so mufs er anfangen, weniger zu schreiben und mehr 
zu arbeiten." 
Ein andermal verglich er junge Poeten mit allzu 
saftreichen Bäumen, die eine Menge Schmarotzer- 
schöfslinge treiben?) Oft kann da ein energischer 
Redakteur helfen, der unbarmherzig alles Unnötige weg- 
schneidet, wie der Gärtner die Bäume lichtet. "Man 
mufs freilich ein alter Praktikus sein, um das Streichen 
1) Eckermann, I. Dezember 1831.  2) Eckermann, 5. April 
1830.
        

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