Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527492
Des Dichters 
Lehrjahre. 
135 
friedener. Ich bin gewifs, wenn es einem improvisieren- 
den Talent wie Wolff gelänge, das Leben grofser 
Städte wie Rom, Neapel, Wien, Hamburg und London 
mit aller treffenden Wahrheit zu schildern und so 
lebendig, dafs sie glaubten, es mit eigenen Augen zu 
sehen, er würde alles entzücken und hinreifsen. Wenn 
er zum Objektiven durchbricht, so ist er geborgen; es 
liegt in ihm, denn er ist nicht ohne Phantasie. 
Nur mufs er sich schnell entschliefsen und es zu er- 
greifen wagen." 
Das that Wolff, der durch Goethes Gunst zuerst 
Gyinnasialprofessor in Weimar und nachher Universitäts- 
professor Ain Jena wurde, dann freilich nicht; er blieb 
bei der bequemeren Art, die schneller fertig wird, und 
ist denn auch heute trotz der vielen Bücher, die seinen 
Namen tragen, vergessen. 
Auch an Egon Ebert, der als Dichter von vornherein 
höher stand, tadelte Goethe denselben Grundfehler. 
Zwar das, was er aus eigener Anschauung kannte: 
böhmische Landschaft, Sonnenuntergang und dergl. 
schilderte er vortrefflich, aber das Historische und 
Sagenhafte blieb verschwommen. Er vermied das 
spezielle Wahre aus Furcht, es sei prosaisch, und 
suchte nach dem, was für "romantisch" und "poetisch" 
galt. Goethes Meinung') war: 
„Egon Ebert hätte sich sollen an die Überlieferung 
der Chronik halten, da hätte aus seinem Gedicht etwas 
werden können. Wenn ich bedenke, wie Schiller die 
Überlieferung studierte, was er sich für Mühe mit der 
Schweiz gab, als er seinen ,Tell' schrieb, und wie 
Eckermann, 
April 
1829-
        

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