Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527417
Des 
Lehrjahre. 
Dichters 
127 
lernen wollen, unserer Natur geirräfs sei. So hat z. B- 
Calderon, so grofs er ist und so sehr ich ihn bewundere, 
auf mich gar keinen Einflufs gehabt, weder im Guten 
noch im Schlimmen. Schillern aber wäre er gefährlich 
gewesen; er wäre an ihm irre geworden, und es ist 
daher ein Glück, dafs Calderon erst nach seinem Tode 
in Deutschland in allgemeine Aufnahme gekommen. 
Calcleron ist unendlich grols im Technischen und 
Theatralischen, Schiller dagegen weit tüchtiger, ernster 
und gröfser im Wollen, und es wäre daher schade ge- 
wesen, von solchen Tugenden vielleicht etwas einzubüfsen, 
ohne doch die Gröfse Calderons in anderer Hinsicht zu 
erreichen." 
Als 
m erkte 
von Claude Lorrain 
Goethe : 
einmal 
die 
Rede 
„Wer ein ähnliches Gemüt hätte, würde ohne Frage 
sich an Claude Lorrain auf das trefflichste entwickeln. 
Allein wen die Natur mit ähnlichen Gaben der Seele 
im Stich gelassen, würde diesem Meister höchstens nur 
Einzelheiten absehen und sich deren nur als Phrase be- 
dienen." 
Das trifft natürlich auf Dichter so gut zu wie auf 
Maler. S0 warnt er einmal vor dem gröfsten Dramatiker; 
"Shakespeare ist für aufkeimende Talente gefährlich 
zu lesen; er nötigt sie, ihn zu reproduzieren, und sie 
bilden sich ein, sich selbst zu produzierenf") Hätte 
er einige Jahrzehnte länger gelebt, so würde er vielleicht 
Heinrich Heine als einen noch viel gefährlicheren Er- 
wecker von Reproduktionen genannt haben. 
1) Eckermann, 
Reflexionen. 
April 
1329" 
Maximen 
und
        

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