Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526179
Schi 
Snhcit um 
11115 
herum. 
Künstlers, indem er selten fähig sei, sie ganz zu er- 
reichenf") 
Goethe schüttelte den Kopf. Über solche Fragen 
hatte er schon vor manchem jahre mit den Freunden 
in Rom diskutiert.  
ganz 
ZU 
„Ich weifs wohl," sagte er, "dafs die Natur oft 
einen unerreichbaren Zauber entfaltet; allein ich bin 
keineswegs der Meinung, dal's sie in allen ihren 
Äußerungen schön sei. Ihre Intentionen sind zwar 
immer gut, allein die Bedingungen sind es nicht, die 
dazu gehören, sie stets vollkommen zur Erscheinung 
gelangen zu lassen. 
"So ist die Eiche ein Baum, der sehr schön sein 
kann. Doch wie viel günstige Umstände müssen zu- 
sammentreffen, ehe es der Natur einmal gelingt, ihn 
wahrhaft schön hervorzubringenl Wächst die Eiche im 
Dickicht des Waldes heran, von bedeutenden Nachbar- 
stämmen umgeben, so wird ihre Tendenz immer nach 
oben gehen, immer nach freier Luft und Licht. Nach 
den Seiten hin wird sie nur wenige schwache Äste 
treiben, und auch diese werden im Laufe des jahr- 
hunderts wieder verkümmern und abfallen. Hat sie 
aber endlich erreicht, sich mit ihrem Gipfel oben im 
Freien zu fühlen, so wird sie sich beruhigen und nun 
anfangen, sich nach den Seiten hin auszubreiten und 
eine Krone zu bilden. Allein sie ist auf dieser Stufe 
bereits über ihr mittleres Alter hinaus, ihr vieljähriger 
'l'rieb nach oben hat ihre ii-ischesten Kräfte hingenommen, 
und ihr Bestreben, sich jetzt noch nach der Breite hin 
mächtig zu erweisen, wird nicht mehr den rechten 
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Ecke] 
April 
1827'
        

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