Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527229
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Goethes 
Ästhetik. 
allgemeine Anerkennung, dafs er ein Dichter ersten Ranges 
sei, hat ihn auf Lebenszeit im Dichterberufe bestärkt. 
Bei seiner vielseitigen Begabung, bei seinen mannig- 
fachen Neigungen hätte er sich ja auch gelehrten 
Studien oder praktischen Geschäften vor allem Andern 
widmen können. Als seine späteren poetischen Werke 
manche Erwartungen enttäuschten, verlor er zwar den 
Glauben an sein Können nicht, aber die Zahl seiner 
Dichtungen wäre doch eine viel gröfsere geworden, 
wenn er die rechten Leser und Hörer nicht erst hätte 
von der Zukunft erwarten müssen. Resigniert sagte er 
im Alterzl) 
„Ich hatte wirklich einmal den Wahn, als sei es 
möglich, ein deutsches Theater zu bilden. Ja, ich hatte 
den Wahn, als könne ich selber dazu beitragen und 
als könne ich zu einem solchen Bau einige Grundsteine 
legen. Ich schrieb meine ,Iphigenie' und meinen 
,Tasso' und dachte in kindischer Hoffnung, so würde 
es gehen. Allein es regte sich nicht und rührte sich 
nicht und blieb alles wie zuvor. Hätte ich Wirkung 
gemacht und Beifall gefunden, so würde ich euch ein 
ganzes Dutzend Stücke wie die ,Iphigenie' und den 
,Tasso' geschrieben haben. An Stoff war kein Mangel. 
Allein, wie gesagt, es fehlten die Schauspieler, um 
dergleichen mit Geist und Leben darzustellen, und es 
fehlte das Publikum, dergleichen mit Empfindung zu 
hören und aufzunehmen." 
Sein Gedicht ,Hermann und Dorothea" wurde so- 
gleich mit herzlichem Beifall aufgenommen, und nament- 
lich empfand der Dichter grofse Freude, dafs Wilhelm 
 
1) Eckermann, 27. März 1825.
        

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