Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527198
Die 
Musen. 
HCUII 
105 
Talent ist es ein böser Nebel, ein fallendes Gift, das 
den Baum seiner Schöpfungskraft zerstört vom grünen 
Schmuck der Blätter bis in das tiefste Blau-k und die 
verborgenste Faser." 
Viel zuträglicher als solche Zerstreuung 
Langeweile. Auch ihr Lob hat Goethe halb 
halb im Ernst dankbar gesungen: 
ist die  
im Scherz, 
,Alle 
neun, 
sie 
winkten 
Oft: 
rnir 
ich 
meine 
die 
Blusen 
Doch 
ich 
achtet" 
nicht, 
hatte 
im 
Mädchen 
das 
Schofs. 
Nun verliefs ich mein Liebchen; mich haben die Musen verlassen, 
Und ich schielte verwirrt, suchte nach Messer und Strick. 
Doch von Göttern ist voll der Olymp; du kamst, mich zu retten, 
Langeweile! du bist, Mutter der Musen, gegrüfstV") 
„Wer sich der Einsamkeit ergiebt, ach! der ist bald 
allein!" Die beständige Einsamkeit wäre namentlich 
auch für den Dichter eine grofse Gefahr, denn er be- 
darf der Anregung durch Freunde oder Feinde, durch 
Erlebnisse oder äufsere Anlässe. Die Menge stört den 
Künstler, gleichstrebende Freunde, verständige Zuhörer 
reizen ihn an. Es war nicht Goethes Art, wie Schiller 
Seine Pläne mit Andern nach allen Seiten hin durch- 
zusprechenß) er hatte vielmehr den Glauben  er selber 
nennt ihn einen Aberglauben3)  dafs man unvollendete 
Sachen nicht bekannt geben solle, und namentlich hielt er 
ES für einen Fehler, von einem Stoffe abzulassen, dem die 
Freunde nichts abgewinnen konnten, denn "der Dichter 
allein kann wissen, was in einem Gegenstande liegt, 
Und was er für Reiz und Anmut bei der Ausführung 
i 
1) Epigrammc 27.  9) Eckcrmaimn, I4. November 1823. 
E 3) Annalen 1803.
        

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