Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527123
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Goethes 
Ästhetik. 
und in aufsteigender Kraft war; in späteren Jahren hatte 
er weder Glück noch Sternß) 
"Was wollt Ihr!" erwiderte Goethe. "Ich habe auch 
meine Liebeslieder und meinen ,Werther' nicht zum 
zweitenmal gemacht. jene göttliche Erleuchtung, 
wodurch das Aufserordentliche entsteht, werden wir 
immer mit der Jugend und der Produktivität im 
Bunde finden." 
Es war damals die Zeit, wo Goethe den ,Faustt 
vollendete, und so lag es Eckermann nahe, Goethe 
und einige seiner Freunde, zum Beispiel Knebel, den 
„jungen Mann von 83 Jahren", als Beweise zu nennen, 
dafs doch die produktive Kraft nicht an die Jugend ge- 
bunden zu sein scheine. Goethe meinte, solche Greise 
seien ganz besondere Naturen, sie erlebten gleichsam 
eine wiederholte Pubertät, während andere Leute nur 
einmal jung sind. Ihre Seele sei so mächtig, dafs sie 
Gewalt über den Körper habe; bei ihrer belebenden 
Durchdringung des Körpers stärke und verjünge sie 
dessen Organe. 
„Aber jung ist jung, und wie mächtig auch eine 
Entelechie sich erweise, sie wird doch über das Körper- 
liche nie ganz Herr werden, und es ist ein gewaltiger 
Unterschied, ob sie an ihm einen Alliierten oder einen 
Gegner findet. 
"Ich hatte in meinem Leben eine Zeit, wo ich täg- 
lich einen gedruckten Bogen von mir fordern konnte, 
und es gelang mir mit Leichtigkeit. Meine ,Geschwister' 
habe ich in drei Tagen geschrieben, meinen ,Clavigo', 
wie Sie wissen, in acht. Jetzt soll ich dergleichen wohl 
Eckermann, 
Mfärz 
1828.
        

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