Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527088
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Goethes 
Ästhetik. 
„Dic Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens 
Ans unbezwungüie feste Land; 
Sie Wirft poetische Perlen an den Strand, 
Und das ist schon Gewinn des Lebensf") 
Wenn Goethe nach homerischer Art ein ständiges 
zierendes Beiwort für den Poeten anwendet, da sagt 
er: der aufgeregte Dichter. „UI]L1.L1{l12lltSR1116 Natur, 
Linüberivinrlliche Neigung, (lrängende Leidenschaft" nennt 
er in einem Briefe „Haupterf0rdernisse der wahren 
P0esie".2) 
Aber auch der Dichter ist nicht immer aufgeregt, 
er ist nicht immer Dichter. Auch der Berufenste ver- 
mag sich manche Tage und Wochen lang nicht über 
die Prosa zu erheben. Zu Riemer sagte Goethe einmal?) 
"Sollen, Wollen und Können, diese drei Dinge gehören 
in aller Kunst zusammen, damit etwas gemacht werde. 
Häufig findet sich im Leben nur eins von diesen Dingen, 
oder nur zwei, und (lann wird nichts oder Unzulängliches 
geschaffen." Vom Dichten-Sollen oder -MÜSSE11 sprachen 
wir schon, vom Dichten-Wollen braucht nicht geredet 
zu werden, denn daran hat die Welt grofsen Überüufs; 
das Dichten-Können hat zwei ganz verschiedene V oraus- 
setzungen: das Aufgelegtsein oder Aufgeregtsein und die 
nötige Ausbildung. 
Es ist eine allgemeinste Erfahrung, dafs die Liebe 
zum Dichter macht; Lieben und Dichten sind sehr nahe 
verwandte Dinge. Zuerst ist die Geliebte Anregerin 
unserer schaffenden Phantasie, sehr rasch aber schwebt sie, 
I) 
1807.  
Divan VI, 54.  
 3) Ricmer, 30. 
 a) An W 
Mai z8o9. 
Rumohr, 
September
        

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