Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527053
Das 
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Dichters. 
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1827)) dafs diese Lieder gar kein Verhältnis zu ihm mehr 
hätten. Sowohl was darin orientalisch, als was darin 
leidenschaftlich ist, habe aufgehört, in ihm fortzuleben; 
Hes ist wie eine abgestreifte Schlangenhatit am Wege 
liegen geblieben." Und zu einem andern Gast und 
Gehilfen?) sagte er, seine Poesieen seien gleichsam 
Häutungen vorübergehender und voriibergegangener Zu- 
stünde. Aus solchen Bälgen machen sich dann nachher 
die Leute dias, was sie brauchen können; so habe sich 
eine kleine Schauspielerin seine Lieder ,Des Schäfers 
Klage' und ,Amor als Schützü angeeignet und singe 
sie jetzt gerade so, als habe sie selber sie für sich ge- 
macht. Und ein andermal meinte Goethe, seine Sachen 
seien nur Bruchstücke aus ehemaligen Existenzen; da 
einmal ein alter abgelegter Hut, da ein Paar Stiefel 
und dergleichen. 
Solche Scherze dürfen uns nicht vergessen lassen, 
dafs das Losringen des Dichters von den Zuständen 
seiner Seele nur unter Schmerzen geschieht. Goethe 
wulste wohl, warum er viele seiner früheren Dichtungen 
jahrzehntelang nicht wieder in die Hand nahm; es 
waren die Zeugen, die altes Weh zu neuem Leben zu 
erwecken drohten. Oft zauderte er, das Angefangene 
zu vollenden; man kann sagen, er kämpfte manchmal 
Jahre und Jahrzehnte hindurch gegen die Gestalten 
seiner Einbildungskraft, die wie Gespenster sich immer 
Wieder in stillen Stunden einfanden und aus ihrem 
schemenhaften Schein erlöst sein wollten. Schließlich 
half kein Widerstreben, der Dichter mufste ihnen Wort 
1) Eckermann, 
1327- 
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1801.
        

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