Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1527049
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Goethes 
Ästhetik. 
.Er näherte sich im Oktober 1786 dem lange er- 
sehnten Rom; jede gute Stunde hätte er gern der 
,Iphigenie' gewidmet. Da ward er plötzlich auf- 
geregt, etwas auszubilden, das gar nicht an der Zeit 
war-Ä) Sein Auge Iiel auf einen Priester, der in seiner 
Sedie ihm gegenüber safs; er fühlte sich von lauter 
Katholiken umgeben; sein Ziel war die Hauptstadt der 
katholischen Kirche. Er dachte an einige Abenteuer 
der letzten Wochen, und nun stand ihm lebhaft vor 
Augen, dafs doch vom ursprünglichen Christentum alle 
Spur verloschen war. ja, wenn er es sich in seiner 
Reinheit vergegenwärtigte, so wie wir es aus der Apostel- 
geschichte kennen, so mufste es ihn schaudern, welch 
unförmliches, ja barockes Heidentum auf jenen An- 
fängen lastete. Und nun erschien plötzlich der ewige 
jude wieder vor seiner Seele, der nach der Sage Zeuge 
aller dieser wundersamen Entwickelungen gewesen ist, 
und Christus erschien ihm, wie er auf die Erde zurück- 
kehrt und in Gefahr gerät, zum zweitenmale gekreuzigt 
zu werden. jene Legende „Venio iterum crucifigi" 
sollte ihm jetzt Stoff eines grofsen Gedichtes werden. 
Dafs es schliefslich Fragment blieb, dafs er seine 
religiösen Überzeugungen und Vermutungen lieber in 
den ,Faust' und andere Dichtungen hineingewoben, 
hebt die Wahrheit nicht auf dafs Goethe sich auch von 
religiösen Streitfragen durch dichterisches Gestalten 
loslöste. 
Dieses Loslösen verglich er im Scherze wohl mit 
dem Sichhäuten der Schlange oder mit dem Ablegen 
von Kleidungsstücken. Über den ,Divan' sagte er 
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Ital 
Reise 
Tcrni 
Oktober 
1786.
        

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