Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1521959
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1522553
ÄTLSSGTC 
Einflüsse 
Rafaefs 
auf 
Kunsl. 
99 
Sposalizio und seine Grablegung. Später dagegen ging er 
zu lnäehtigeru Formen über, wie solche Bildungen heute noch 
bei den Römern und Römerinnen angetroffen werden und 
wie sie seine Gestalten, namentlich im Heliodor und im Burg- 
brand, zeigen. 
In seiner friihern Zeit hielt Rafael die Stirne seiner 
weiblichen liöpfe hoch und die Augenbrauen sehr in Bogen 
gezogen, wie es damals bei den Frauen der höhern Stände, 
besonders am Hofe zu Urbino, Sitte war und wie uns dieses 
Graf Castiglione berichtet. In Rom dagegen nahm er auch 
hierin einen strengem Charakter an, gemäss der ernsten 
Haltung des Volks in jener Stadt. Wir brauchen nur die 
Madonnen seiner frühern Zeit mit denen nach dem Fisch 
und des h. Sixtus benannten zu vergleichen, um uns von der 
Wahrheit dieser Beobachtung zu überzeugen. 
Dieses Sichanlehuen an die Eigenthtimliehkeiten der ihn 
umgebenden Natur artete jedoch bei Rafael nie in Manier 
aus, denn stets leitete ihn sein feiner Sinn für Schönheit 
und Harmonie selbst bei der schärfsten Auflassung der ver- 
schiedenen Bildungen des menschlichen Körpers nach Indivi- 
dualität und Lebensalter. 
Noch gedenken wir hier eines schon früher erwähnten 
Einflusses auf RafaePs Darstellungsweise, besonders auf seine 
Zeichnung des Nackten, durch Michcl Angele, wodurch, wie 
Vasari glaubte, der Urbinate zwar zu einer höhern Stufe 
der liunst gelangt, aber weit hinter seinem Vorbilde zurück- 
geblieben sei. Wir dagegen sind der Ansicht, dass Rafael, 
indem er sich von der imposanten Grossartigkeit und der tiefen 
anatomischen lienntniss des menschlichen Körpers in den 
Figuren, welche Bliebe! Angeln in der Kapelle Sixtina aus- 
geführt, hinreissen liess, ein ihm fremdes Element in sich 
aufgenommen hat, und in dieser Richtung mit dem grosseu 
F lorentincr um die Palme ringend, hiedurch nur von der ihm 
eigenthtimlichen Grazie und Feinheit der Zeichnung einbüsste, 
ohne jenes Vorbild völlig erreichen zu können. Bemerkens- 
Werth ist hiebei, dass in den Studien nach der Natur in 
Rothstein zu verschiedenen nackten Figuren im Burgbrand, 
Wie der Mann, welcher seinen alten Vater trägt: 11ml der
        

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