Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1521959
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1522497
Die 
Schule 
D072 
Athen. 
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tischen zum Skepticismns, im Praktischen zum Stßicisynus sich 
hinneigend, überhaupt nur eine wahrscheinliche Erkenntniss 
statnirte und, wegen der YVidersprechlichkeit der Gründe, 
eine jede unbedingte Zustimmung glaubte zurückhalten zu 
müssen. Erkennen wir dann in dem in einen Mantel ge- 
hültten, mit einem Stab herbeikomniendeii Philosophen einen 
jener spätern von Lucian verspotteten Cyniker, welche mit 
Stab und Sack das Land durchzogen, dann ist auch anzu- 
nehmen, dass in dem davoneilenden Jüngling Rafael sinnbild- 
lich das Erlöschen der schöpferischen griechischen Philosophie 
bezeichnete, zugleich aber auch das Hinwenden zu den Wis- 
senschaften der lilathematik, nach deren Lehrer im Vorder- 
grunde rechts er auch den Blick richtet. 
Diese Gruppe haben wir jetzt näher zu betrachten. 
Sie nimmt den Platz gegenüber Pythagoras ein, der die 
speculative Mathematik repräsentirt, während sie die prak- 
tische, die hauptsächlich den Erfahrungswissenschaftcn zuge- 
wandt ist. Diese beginnen hier mit dem Unterricht in der 
Geometrie, den ein Lehrer mehreren Jünglingen ertlleilt, in- 
dem er, zur Erde gebeugt, die auf eine Tafel gezeichnete 
isagonische Figur mit einem Zirkel demonstrirt. Rafael hat 
in ihm das Bildniss des Bramante, seines Lehrers in der 
Architektur, verewigt. Ob er aber durch denselben Archi- 
med, den berühmten Mechaniker, wie gewöhnlich angenom- 
mcn wird, oder Euklid aus Alexandrien, den grössten Mathe- 
matiker des Alterthums, habe bezeichnen wollen, ist jetzt 
schwer zu entscheiden 1); doch ist die letztere Annahme die 
1) ln einem Epigramm des Cenobiteu Paul Volzius, welches 
er an Georg Reisch, Karthäuserprior bei Freiburg im B., gerichtet, 
und dieser in seinem damals sehr verbreiteten Buche "Margarita phi- 
losophica", Frihurgi 1503, 4., mitgetheilt hat, helsst es unter Anderm: 
"Mensor et terrae Archimedes probatus", wodurch Archimedes als 
Repräsentant der Erdmesskunst bezeichnet wird. Allein in dem 
Werke selbst wird bei der Mathematik Euklid als der Fürst dieser 
Disciplin angesehen. Wie sehr derselbe auch zu jener Zeit i" 
Italien gekannt und hoch geschätzt war, bezeugen des Luca Pfwcivlo 
dal Borgo "Illterpretazione di Euclide", worüber er In Velledlg 
Vbrträge gehalten, denen auch Fra Giocondo, ein Conege Rafael? 
am Bau von St. Peter, beigewohnt hatte. Zu der Benennung Ar-
        

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