Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1521959
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1522474
Die 
Schule 
Athen. 
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Dialektik, keine andere sei als die des Chrysipp. Weiter 
erblicken wir den gelehrten Theophrast aus Eressus, den 
Aristoteles zu seinem Erben und Nachfolger einsetzte, und 
Eudemus aus Rhodus. Diküareh aus Mcssana und Aristoxe- 
nus aus Tarent, dcr Musiker, sind wol in den hintern Fi- 
guren dargestellt. Durch die zwei hinter dieser Gruppe 
wandelnden Philosophen hat Rafael auf die Benennung Pe- 
ripatetiker (die Auf- und Abgehenden) angespielt, wie sich 
die Schüler des Aristoteles nannten, da ihr Meister im Ly- 
ceum mit ihnen wandelnd sie zu unterrichten pflegte. 
In der Mitte auf den Stufen liegt nachlässig und fast 
entblösst Diogenes aus Sinope, der Cyniker, und eben so 
wenig um die Versammlung bekümmert, als einst in den 
Strassen von Athen, ist er ganz in Das vertieft, was auf 
einer "fafcl, die er hält, geschrieben steht. Dieser merk- 
würdige Sonderling (414 vor Christus geboren) war der 
ausgezeichnetste Schüler des Antisthenes, des Stifters der 
strengen Tngendschnle, ging aber in der Strenge noch wei- 
ter als sein Lehrer und verwandelte Tugend und Weisheit 
in cynische Ascetik. Der Sokratische Spruch, den er immer 
im Munde führte, war: „Dass nichts bedürfen den Göttern 
eigen sei, so wenig als möglich aber ihnen ähnlich." Auch 
sehen wir hier neben ihm die Trinkschale, das einzige Ge- 
räthe, dessen er bedurfte, bis auch dieses ihm überflüssig 
schien, als er einen linaben Wasser aus der Hand trin- 
ken sah. 
Theilweise verschieden von dem Cynismus und dem 
Stoicisnius war der zu gleicher Zeit sich erhebende" Epikuräis- 
mus. Wie die Cyniker und die Stoa strebte Epikur aus 
Gargettus bei Athen (geb. 342 Jahre vor Christus) nach 
individuellem Genügen, aber er setzte das höchste Gut deS 
Menschen in Glückseligkeit und suchte diese in harmonischer 
Befriedigung der geistigen und sinnlichen Genüsse. Weisheit 
und Tugend übten die Epikuräer nur ihrer Folgen wegen 
und als Mittel zum Vergnügen. Auch lebten Sie deshalb 
massig, Leidenschaften und den Schmerz unterdrückend, und 
in freundlicher Einigkeit. In unserm Gemälde erkennen wir 
Epikur in dem die Stufen her-absteigenden Philosophen, wel-
        

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