Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1521959
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1523849
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Zusätze 
Berichtigungen 
und 
dass liafael bei seinem letzten Werk sich von der Richtung, 
wie sie damals in der Lombardischen Schule aufgekommen, 
in etwas habe hinreissen lassen. Bedenken wir indessen, 
dass das Gemälde für Frankreich, für das Bisthum Narbonne 
bestimmt war, so liegt auch wieder der Gedanke nahe, dass 
Rafael, den Geist der französischen Nation kennend, sich 
diesem in etwas anzuschmiegen gesucht und mehr als sonst 
auf Eifect und Sinnenreiz gesehen hat. Um hierüber mit 
voller Gewissheit urtheilen zu können, dürfte dieses Bild 
nicht das letzte und unvollendet gebliebene des Meisters sein; 
vielleicht würden wir ihm dann wieder in seiner friihern 
Hoheit und Einfachheit begegnen. Indessen belehrt uns die 
Erfahrung, dass gerade die ausgezeichnetsten liünstlergenien 
stets fortschreitend sieh entwickelt haben, und zwar zu 
höherer Vollendung, wenn der Geist ihrer Zeit sich immer 
mehr erhob, aber auch zum Herabsteigen, wenn sie die 
höchste Höhe erreicht und der Genius der Zeit im Sinken 
war. Dieses ist bei vielen Zeitgenossen RafaePs nachweisbar 
und erinnern wir hierbei nur an Michel Angele, Titian und 
Albrecht Dürer, die anfänglich, von dem Geist der Wahr- 
heit und hohen Einfalt belebt, die höchsten Höhen in der 
Iiunst erreichten, am Ende ihrer Laufbahn jedoch der ein- 
reissendcn Verllachung sich nicht ganz entziehen konnten._ 
Copien nach der Transfiguration. 
"Schon erwähnten wir die Copie, welche Giovan Frau-- 
cesco Penni davon gemacht und die, wie Vasari berichtet, in 
die Kirche S. Spirito degP incurabili in Neapel gekommen ist. 
Über dieselbe haben wir noch Folgendes aufgefunden: Sie 
wurde von dem Principe di Astigliano von Neapel nach Ma- 
drid gebracht und in die Kirche der h. Teresa daselbst ge- 
stiftet. Jetzt beltindet sie sich in der Nationalgalerie in 
S. Trinidad lzu Madrid. Diese Copie weicht in manchen 
Theilen von dem Original ab: Christus und die beiden Pro- 
pheten schweben in einem kreisförmigen Lichtglanze und von 
Wolken gemeinschaftlich umgeben. Hinter den zwei Diakonen 
befindet sich kein Baum. Das vorn kniende Weib ist nicht 
allein lackroth gekleidet, sondern der Mantel oder das Ge- 
wand, welches sie umhängen hat und im Original von blauer 
Farbe ist, hat hier dieselbe lackrothe Farbe. Auch das im
        

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