Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1519331
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Architektonische 
Des Miiclzel Angelo Plan für die Fagade wird noch 
in dem Hause seiner Familie in Florenz aufbewahrt. Er 
zeigt folgende Dispositionen: Vor dem Ilauptschilf ist eine 
offene Vorhalle von vier Säulen auf hohen Postamenten ge- 
tragen. Über dem Gebälke, welches auf ihnen ruht, wird 
der höhere Giebel von sier kleinen Säulen unterstützt. Zu 
den Seiten ist zunächst immer eine 'l'lii'1re, welche zu den 
Seitenschilfen führt; über ihnen sind Basreliefs angebracht. 
Den Schluss zu beiden Seiten bilden zwei Stockwerke mit 
aufeinanderstehenden Säulen. Auf dem grossen dilrchlail- 
fenden Gesimms stehen einige Statuen. Es ist ein gross- 
artiger, aber nicht organisch zusammenhängender Plan. 
Wie der Plan war, welchen Rafael zu dieser Faeade 
entwarf, ist jetzt nicht mit Sicherheit zu ermitteln; indessen 
hat man deren schon drei verschiedene dafür ausgegeben: 
Graf Algarotti (Opere VI p. 219 Ed. von Livorno) sagt, 
dass der Baron von Stosch in Florenz eine Zeichnung Ra- 
fael's zu der Fagade von S. Lorenzo besessen und er ihm 
eine Copie davon zugesendet habe. Wohin diese Zeich- 
nung und die Copie nach ihr gekommen, habe ich nicht in 
Erfahrung bringen können; indessen gibt A. F. Gori in sei- 
nen Noten zu Condivfs Leben des Michel lAngelo p. 132 
an, dass die Zeichnung im Besitz des Barons von Stosch 
dem Modell nicht ilnähnlich sei, welches in der LauTeH- 
ziana zu Florenz aufbewahrt und bald dem Rafael, bald 
dem Michel Angelo zugeschrieben wird. Dieses Modell ist 
aber beider grossen Künstler unwürdig; denn es ist klein- 
lich und unangenehm in der allgemeinen Disposition, ohne 
Zusammenhang und unschön in den einzelnen Theilen und 
bei aller Überladung von magerer Wirkung. Von Rafaefs 
Eigenthümlichkeit ist darin nicht die geringste Spur. In- 
dessen ist es ein Modell aus jener Zeit, und wohl eins der- 
jenigen, welche um den Preis concurrirten. 
Mit mehr Wahrscheinlichkeit wird ein Federent- 
wurf RafaeFs für eine Kirchenfagade mit drei grossen 
gewölbten Hallen und zwei Thiirmen zu den Seiten für die 
gehalten, Wßlßhß C1" für S. Lorenzo fertigte. Die Zeich- 
nung kam aus der Sammlung Crozat in die des Erzher-
        

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