Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1518406
Die 
Verklä-ruzzy 
Christi. 
357 
hung auf des Gegenstandes Auffassungs- und Darstellungs- 
weise, da ich denselben schon genügend im ersten Theile 
glaube begegnet zu sein, und beschränke mich hier nur 
auf folgende Bemerkungen: 
Rüeksichtlich der allgemeinen Behandlung der Malerei, 
so hat Rafael in derselben mehr als zuvor bei einer andern 
auf eine grossartige Haltung durch Massen von Licht und 
Schatten gesehen. Er setzte daher im untern Theile, viel- 
leicht auch um den liehtvollen obern Theil desto mehr zu 
zu heben, viele Figuren in ein künstliches Helldunkel und 
zeigte sich hierdurch in einer Kunst, welche durch Coreggio 
und einige der Venetianer, hauptsächlich Giorgione auf ei- 
nen so hohen Grad des Zaubers getrieben worden. Lei- 
der ist dieser Reiz in dem Bild der 'l'ranstigurati0n jetzt 
fast ganz geschwunden, da Rafael nach des Giulio Romano 
Angabe sich in den Schatten stark des Lampenruses be- 
diente, der anfänglich einen kräftigen und durchsichtigen 
Ton gibt, nach wenigen Jahren aber sehr nachdunkelt und 
alle Farben, denen er beigemischt ist, oder als Unterlage 
dient, zerstört. Demohngeachtet erkennt man selbst in dem 
jetzigen Zustande des Gemäldes noch manche herrlich co- 
lorirte 'l'heile; namentlich an dem auch in der Führung des 
Pinsels meisterhaft behandelten Apostel Andreas, oder in 
der weichen Carnation der entblössten Schulter der im Vor- 
dergrund knienden Frau und ihres schönen Kopfes mit 
den reichen Ilaarflechten. Im obern Theil des Bildes ist 
die Figur des Christus selbst eine wunderbar geistige Ge- 
stalt, und wenn sie auch nicht völlig dem ahndungsvollen 
Bilde entsprechen sollte, welches einer gläubigen Seele vor- 
schweben dürfte, so ist zu bedenken, dass es selbst dem 
grössten Künstler unmöglich bleibt das menschlich Unbe- 
greiüiche zu versinnlichen; demuthsvoll wollen wir aber be- 
kennen, dass Rafael hier dem Ideale näher, als irgend ein 
anderer Meister gekommen ist. 
Dass besonders im untern Theile des Bildes einiges 
durch Giulio Romano ausgeführt worden, scheint sich nicht 
nur in der Art des Vortrags, wie namentlich in einigen et- 
was derb behandelten Apostelköpfen zu ergeben, sondern
        

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