Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1518357
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Gemälde 
F071 
15181 
1520. 
unter den vielen Wiederholungen, welche von ihm vorhan- 
den, es dasjenige ist, welches Vasari als Original angege- 
ben hat. Treten wir nun vor dieses Bild und nehmen da- 
bei das Studium in Rothstein, welches die FlorentinerSammA 
lung besitzt, oder auch nur den Holzschnitt nach denlselben 
von Ilugo da Carpi zur Hand, so fallt es allerdings auf, 
dass sowohl Zeichnung und Bewegung schöner, das heisst 
lebendiger und einfacher in letzteren, als in der Ausfüh- 
rung gehalten sind; die Umrisse und die Modellirung im 
Studium nach einem sehr schönen Modelle zeigen den gan- 
zen Reiz einer zwar gesunden blühenden Jugend, aber ohne 
Übertreibung der Fülle und des Spiels der Muskeln, wie 
wir sie im Gemälde bemerken, und ohne die Verkürzung 
des rechten Fusses, welche eine Ansicht des obern und un- 
tern Theils desselben zugleich zeigt, was, wenn auch nicht 
unmöglich, doch keineswegs angenehm in der Wdrkung ist. 
Auch der Ausdruck des Kopfs hat nicht jenes Tiefe und 
Seelenvolle, welches wir bei Werken, die Rafael mit eige- 
ner I-land gemalt hat, zu sehen gewöhnt sind, sondern er 
hat etwas Übertriebenes und Starres. Den linken Arm 
darf man selbst schlecht in der Zeichnung, die Beine steif 
in der Behandlung nennen. Die Schatten haben übrigens 
sehr nachgedunkelt und mehrere Theile des Bildes gelit- 
ten, so dass nicht immer mit Gewissheit über deren ur- 
sprünglichen Werth geurtheilt werden kann. Indessen be- 
wahren noch einzelne, besser erhaltene Stellen unverkenn- 
bare Spuren von RafaePs Pinsel, namentlich der Körper, 
der überaus lebendig und meisterhaft modellirt ist; auch in 
der Färbung zeigt sich an verschiedenen Theilen noch das 
Glühende von RafaePs Carnation. Nach diesen Beobachtun- 
gen lässt sich die Theilnahme des Meisters an diesem Ge- 
mälde nicht ausschliessen, obgleich nicht zu verkennen ist, 
dass ein grosser Theil desselben von einem Schüler, viel- 
leicht von Giulio Romano und erst nach Itafaefs Tod aus- 
geführt wurde. Diese letztere Annahme gründet sich be- 
sonders auf die Überzeugung, dass Rafael kein Bild aus 
seiner Werkstätte würde haben ausgehen lassen, ohne dem
        

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