Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1518229
Madonna 
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Sisfo. 
339 
hiiizlnveiseil. Gegenüber rechts kniet die heilige Barbara, 
die Hände auf die Brust gelegt und liebevoll nach unten, 
nach der Gemeinde schauend. Sich auf eine Brüstung auf- 
lelnlend, sieht man unten noch zwei Engelknaben, von de- 
nen der eine aufwärts, der andere voll holder Lieblichkeit 
aus dem Bilde heraussieht. Ich habe schon im ersten Theil 
S. 300 auf die grossen Vorzüge dieses unvergleichlichen 
llleisterwerkes aufmerksam gemacht, will mich daher, 
obgleich es leicht wäre noch viele andere hervorzuhe- 
ben, doch beschränken hier nur folgende Bemerkungen 
beizufügen: Was dieses Gemälde vor vielen andern aus 
Bafaefs letzten Lebensjahren besonders auszeichnet, ist, dass 
es wohl ganz von seiner Hand gemalt wurde, denn jeder 
Pinselstrich ist mit solcher Meisterschaft und geistreicher 
Lebendigkeit geführt, die Färbung hat einen so überaus 
leuchtenden, klaren und harmonischen Ton und der Aus- 
druck der Köpfe zeigt eine so himmlische und doch milde 
Begeisterung, wie dieses nur Rafael allein zn erreichen im 
Stande war. Es wird selbst höchst wahrscheinlich, dass 
der Meister sogleich, ohne grosse Vorbereitungen, begei- 
stert und im Bewusstsein dessen, was er vermochte, die 
Composition mit Rothstein auf die Leinwand aufgezeichnet, 
wie man dieses bei der stattgefundenen Reinigung an eini- 
gen Stellen beobachtet hat; ferner dass er sogleich mehre- 
res nach dem Modell gemalt, namentlich den Kopf der Ma- 
ria, der, bei dem Ausdruck wahrhaft hoher Göttlichkeit, 
dennoch, wie schon in der Beschreibung des vorhergehen- 
den Portraits angegeben worden, Ilafaefs Geliebten nach- 
gebildet ist. Ohne Hinblick auf ein Modell, oder Benutzung 
eines Studiums scheint der Kopf der h. Barbara gemalt; 
auch ist er der schwächste Theil des Bildes. Die beiden 
Ellgelknaben, so schön sie übrigens sind, zeigen nicht das- 
selbe Studium, wie das in jeder Hinsicht bewundrungswür- 
dies Christkind; sie scheinen selbst ein Zusatz, nachdem 
der untere Theil schon mit Farben bedeckt war, und Ra- 
fael den Raum zu leer fand; denn durch die obere Far- 
benlage erkennt man noch die Pinselführung der darunter 
gemalten Wolken, auf welche diese" Figuren nur leicht auf- 
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