Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1518199
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239. 
RafaeYs 
Geliebte. 
Auf Lein wzu 
halbe Figur. 
Dieses merkwürdige Bildniss im Palast Piiti, N. 245 
bezeichnet, zeigt eine schöne Rölnerin, links gewendet, et- 
was mehr als drei Viertheile gesehen, Die gescheitelten 
Haare, hinter die Ohren gestrichen, zeigen die ganze Fülle 
des Ovals. Aus den dunkeln Augen leuchtet dem Be- 
schauer ein glühender Blick entgegen; die Nase ist eher 
etwas stumpf; in dem Mund spielt munterer Scherzfiüie 
Carnation ist nicht sehr gefärbt. Um den Hals trägt sie 
eine Schnur von (lunkeln, geschnittenen Steinen; den Bu- 
sen verhüllt ein faltenreiches Hemd, das den geschützten 
goldbebrämten Mieder weit überragt. Den linken Arm be- 
deckt ein weiter, gcschlitzter Ermel von wcisslichem Da- 
mast; der rechte ist in den Schleier gehüllt, welcher den 
hintern Theil des Kopfs bedeckt und zu beiden Seiten her- 
abfällt. Die rechte Iland liegt an der Brust, die linke 
sieht man nur zum Theil in der Ecke links. Der Grund 
ist grau. Das Bildniss von echt römischer Haltung zeich- 
net sich zugleich durch grossen Liebreiz aus und ist wahr- 
haft bezaubernd. In der Ausführung sind indessen nicht 
alle Theile von gleicher Vortreiflichkeit, nur das Ge- 
sicht mit der Brust, und der daniiistne Ermel scheinen von 
Rafaefs Hand. Alles übrige ist viel geringer in der Aus- 
iührung, vielleicht erst nach dem Hinschcirleu des DIeisters 
vollendet. Der Schleier und die Hände scheinen selbst 
nicht fertig, und der graue Grund ist von einem schweren 
Ton. Was nun bei diesem Bildniss besonders auffällt, ist 
dessen grosse Ähnlichkeit mit der Madonna des h. Sixtus 
in Dresden, nur dass, wie es sich von selbst versteht, das 
Portrait ganz individuell, der Kopf der Himmelskünigin 
ideal gehalten ist; indessen kann man gegenüber dem Bild- 
niss keinen Zweifel haben, dass Rafael sich bei der Ma- 
donna der Dresdner Gallerie derselben Person, deren Por- 
trait hier beschrieben ist, als Modell bediente. Im ersten 
Theil S. 225 bemerkte ich schon, dass es mit dem im Pa- 
last Barberini eine gewisse Ähnlichkeit zeigt, wenn man
        

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