Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1518149
Papst 
Lco 
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Überhaupt war er mehr dem geistigen als körperlichen Ge- 
nussc ergeben. Seine schweren Regiernngssorgen erheiter- 
ten manchmal Lachen erregende Scenen, wie dies im vä- 
terlichen Hanse schon Gewohnheit war. Bei den üppigen 
Mahlzeiten aber war er selbst der nüehternste, fastete sogar 
mehr, als die strengsten Kirchengesetze gebieten, und war 
in Keuschheit ein Muster. Allerdings riss ihn sein weit- 
nmfassender Geist, seine leicht zu erregende Grosslnuth 
oft zur Verschwendung hin, aber diese war doch nicht die 
Folge sinnlicllerÜppigkeit, sondern eines gutmüthigen, wenn 
auch von dieser Seite schwachen Charakters. Er beschenkte 
daher nicht nur lilänner von Verdienst, sondern auch 
schlechte Dichter und Possenreisser, deren er durch seine 
Freigebigkeit eine nnnennbare Zahl nach Rom zog und 
sich mit ihnen mancherlei gemeine Spässe erlaubte. Täg- 
lieh liess er sich eine mit kramoisin Sammt ausgeschlagene 
Schüssel voll Ducaten füllen und beschenkte, wer ihm vorw 
kam, besonders diejenigen, welche ihn bei Tafel essen sa- 
hen und sich durch fremdartige Kleidnngen anszeichneten. 
So kam es denn, dass ohnerachtet der grossen Summen, 
welche dem päpstlichen Stnhle znliossen, Leo X, aller- 
dings in kostspielige Kriege verwickelt, gegen sein Lebens- 
ende nicht nur alle Cassen leerte, sondern sich in solcher 
Geldverlegenheit befand, dass er selbst die päpstlichen Jn- 
welen um 10,000 Ducaten an die Chig versetzte. (Siehe 
Carlo Fea Notizie etc. p. 06, wo das merkwürdige Docu- 
ment mitgetheilt wird.)  Leo's X Politik war nicht immer 
offen; aber wo gab es damals in Italien eine solche? Das 
System, welchem Macchiavell den Namen gab, war aus der 
Zeit selbst hervorgebildet worden, und namentlich Florenz 
seine Wiege. Leo misbranchte es indessen bei weitem 
nicht so, wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger, ja er 
musste es oft als Nothwehr gegen Feinde gebrauchen, die 
mit dieser Waffe mehr, als mit dem Schwerte kämpften. 
Wir kehren von dieser Charakterschildernng Leo'sX zu 
(leih Gemälde Rafaefs zurück. Die Figur des Papstes ist, 
wie schon gesagt, nicht nur mit der grössteil Meisterschaft, 
sondern auch auf das sorgfältigste vollendet. Flüchtige-r
        

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