Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1518132
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Bildnisse 
C071 
15174 
1519. 
menden aufs Beste zu empfangen, auch den Geringsten au- 
zuhören, keinen im Zorn oder Unwillen, sondern immer 
heiter und wo möglich befriedigt zu entlassen; seinen ei- 
genen Zorn, auch den heftigsten, in der Brust zu zügeln 
und zu verschliessen (einigemal wohl auch gelegentlich sich 
dessen zu erinnern); Bittenden nichts zu verweigern, sein 
Geld reichlich auszustreuen, und es so gering zu achten, 
dass, obwohl er verbannt und nicht reich war, er doch 
niemals bei Papstwahlen sich bestechen liess; kurz, er 
strebte, nur danach, für den Mildesten und Liebreiehsten 
gehalten zu werden, wodurch er denn auch bald die Her- 
zen der Väter und der neuen Curie erwarb. In schönen 
Künsten war er nicht unerfahren, aber mit vorzüglichem 
und anhaltendem Eifer trieb er llrlusik, und brachte viele 
Zeit seines Lebens damit zu, Andere zu hören, auch mit- 
unter selbst zu singen."  Nun folgt kurz sein politisches 
und Kriegsleben, dann seine Tugenden als Papst, sein sorg- 
fältiges Ausfragen der Leute, die ihm bei seinen Jagden 
oder sonst begegneten, wo seine Milde gegen Arme, seine 
stete Humanität gerühmt wird. Denn seit seiner Erhöhung 
vergass er nicht seine früheren Freunde, wenn gleich er 
nicht allen nach ihrer Erwartung genügen konnte. Dieses 
sah Ariosto wohl ein, der ihn in Rom besuchte, vom Papst 
sogleich erkannt, aufgehoben und geküsst wurde. Allein in 
seinen Ilüflilllillgffll getäuscht, ersann Ariosto eine schöne 
Erzählung zu des Papstes Entschuldigung, worin man 
gleichwohl das gereizte Dichtergemüth erkennt. (Siehe 
Roscoe III p. Q4). Den Musiklehrern gab Leo X grosse 
Gehalte, ja manchmal war er darin verschwendrisch, und über- 
liess ihnen selbst einträgliche Pfründen. So dem spanischen 
Sänger Gabriele Merino das Erzbistlnlln Bari und dem Mu- 
siker Francesco Paolosa ein Arehidiaconat. Die Musik aber 
bezauberte ihn oft so, dass er ganz hinzusinken und ausser 
sich zu kommen schien. Die Jagd liebte er leidenschaftlich 
und hielt sich deshalb oft in hlagliana und Viterbo auf.  
Sein Urtheil über Geisteswerke war scharf und richtig; 
wenn ihm während der Mahlzeit Gedichte überreicht wur- 
den, vergass er Pissen und 'l'rinkei1 und las in Einem fort.
        

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