Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1517960
Die gr. 
Fanzilie. 
313 
fael, welches dieser dem König von Frankreich mit einem 
andern einer h. Margaretha gesendet, weiches G-iulio bei- 
nahe ganz allein nach der Zeichnung BafaePs ausgeführt. 
Derselbe schickte auch dem König das Portrait der Vice- 
Königin von Neapel, an welchem er nur den Kopf nach der 
Natur malte, alles übrige aber führte Giulio Romano aus." 
Aus dem Umstande, dass letzterer vielleicht das ganze Bild 
der grossen heiligen Familie untermalt, zum Theil auch vol- 
lendet hat, ist es begreiflich, wie das Colorit desselben ei- 
nen durchgehend braunen Ton erhalten hat, und in Frank- 
reich die Meinung aufkommen konnte, Rafael sei ein schlech- 
ter Colorist gewesen, während er im Gegentheil nicht nur 
in den Frescogemälden, sondern auch in Ölbildern, wie 
z. B. in der Madonna von Fuligxio, der h. Cäcilia, und in 
dem Bilde in Dresden, die er mit eigner Hand ausführte, 
hinlänglich (largethan, dass er auch in der Kunst zu c0l0- 
riren eine der ersten Stellen einnimmt. Ich kann bei die- 
ser Gelegenheit die Bemerkung nicht unterdrücken, welche 
ich im Pariser Museum zu machen Gelegenheit hatte, und 
die sich auch anderwärts darbietet, nämlich wie nachtheilig 
es für eine günstige Ausstellung von Gemälden ist, wenn 
man grosse Meisterwerke von Künstlern verschiedener Schu- 
len nebeneinander stellt, wo dann die hervorstechendstexi 
Vorzüge der Meister sich gegenseitig schaden und jedes 
Bild nachtheilig auf das Naehbarbild wirkt. Nun hängt im 
Pariser Museum die grosse heilige Familie von Rafael zu- 
nächst dem Bilde der Antiope von Coreggio und dem der 
Dornkrönung von Tizian. Was ist aber die Folge der Zu- 
sammenstellung dieser drei herrlichen Meisterwerke? Co- 
reggio's zarte 'l'inten scheinen Hau gegen 'l'izian, seine Zeich- 
nung nachlässig, selbst unschön neben dem Bild von Ra- 
fael. Dieses dagegen scheint eintönig und schmutzig in der 
Farbe und hart in den Umrissen; Tiziail endlich fast roh in der 
Farbe gegen Coreggio und gemein in der Zeichnung gegen 
Rafael, der sie ausserdem alle durch Schönheit und Adel 
des Ausdrucks übertrifft. Weit entfernt also, dass solche 
Zusammenstellungen den Kunstfreunden einen Genuss berei- 
m11 wird er dadurch geschmälert. Man stelle dagegen die
        

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