Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1517140
Die 
Tapelen. 
231 
gen setzte er Propheten und Sibyllen, die ahnenden Stim- 
men des Ileidcnthums, mit den Sehern des alten Bundes; 
in den kleinern Räumen über den Fenstern veranschau- 
lichte er das Iloffen und Ialarren der Menschheit in den 
Ahnen Christi, und in den Ecken der Wölbung die wun- 
derbare Errettung des Volkes Gottes. Die ältern Floren- 
tiner und Umbrischen Maler hatten schon früher in den 
rund umlaufenden, obern Waudbildern durch Darstellungen 
aus dem Leben Mosis und Christi das Gesetz dem Evan- 
gelium gegenübergestellt. Rafael erwarb sich nun den 
Auftrag, den in den frühern Malereien enthaltenen Gedan- 
ken weiter zu entwickeln, indem er für den untern Wand- 
raum zehn Begebenheiten aus der Apostelgeschichte wählte, 
wodurch die Gründung der Kirche durch die Geschichte 
der beiden grössten Apostel un,d den Tod des ersten Mär- 
tyrers versinnlicht wird. Für den Altar wurde die Krö- 
nung lllariä bestimmt, worin wir hier vorbildlich die Voll- 
endung der Menschheit zu betrachten haben. Später schloss 
Michel Angele den Cyclus durch sein jüngstes Gericht. 
Siehe I S. E270. 
Die Cartous, nach welchen die Tapeten gewirkt wer- 
den sollten, führte Rafael in den Jahren 1515 und 1516 
aus, wie wir unten sehen werden. Dass ihm bei der Aus- 
führung hauptsächlich Francesco Penni behülllieh war und 
auch Giovanni da Udine einigen Antheil daran hatte, be- 
zeugt Vasari im Leben jener Maler, namentlich dürften die 
Einfassungen ihnen zugeschrieben werden. Die Canons 
wurden dann nach Arras in die Niederlande gesendet, und 
nach ihnen aus Wolle, Seide und Goldfädeil 'l'eppiche ge- 
wirkt, welche in Italien Arazzi oder panni di rassia ge- 
nannt wurden. Dürfen wir, [der übrigens glaubwürdigen 
Angabe des de Piles (Abrege de la vie des peintres p. 170) 
folgen, so erhielt Bernard van Ürlcy, der unter Ilaifael stu- 
dirt hatte, den Auftrag, diese Arbeiten zu beaufsichtigen; 
de Piles nennt neben Bernard van Orley noch dessen Schü- 
ler Michael Coxcie, was indessen unwahrscheinlich ist, da, 
er zur Zeit, als die 'l'apetei1 gewirkt wurden, erst 20 Jahr 
alt war und zur Aufsicht einer so wichtigen Arbeit noch
        

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