Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1516869
Die 
des 
Loggien 
Va tican. 
203 
der Regierung in Florenz annahm und damit auf die WVorte 
Christi anspielte: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist 
leicht." Die vier Seiten einer jeden Kuppel zeigen immer 
vier quadrate Bilder, von denen 48 aus dem Alten Testament, 
die 4 letzten aus dem Neuen genßmmßh Sillll- Siß werden ge- 
wöhnlich Rafaefs Bibel genannt. Reiche Ornamente in 
Farben und in Stuck umgeben sowohl diese Bilder, als auch 
die Pilaster nach innen damit bekleidet sind; die Umgebungen 
der Fenster, die aus Zimmern in die Loggien gehen, schmücken 
reiche Blumen- und Fruchtgewinde, und unter ihnen befin- 
den sich reliefartig gemalte Darstellungen aus der Bibel, 
welche in Bezug auf die obern Malereien stehen. Zu al- 
len diesen Bildern und Ornamenten, welche letztere zum 
Theil im Geschmack der antiken Grottesken gehalten sind, 
machte Rafael die Entwürfe; dieses berichtet uns nicht nur 
Vasari, sondern ist auch aus verschiedenen noch vorhande- 
nen Zeichnungen zu den Bildern und der unvergleichlichen 
Schönheit und Eigenthümlichkeit der Verzierungen erweis- 
-lich; letztere stehen selbst so einzig da, durch ihre An- 
muth und den lteichthum der Phantasie, dass selbst Ra- 
fael's ausgezeichneteste Schüler sie nie zu erreichen im 
Stande waren. Dieses bezeugt z. B. die Sala Borgia und 
die Halle der Villa Madama, welche Giulio Romano, Gio- 
vanni da Udine und Perino del Vaga aufs reichste ausge- 
schmiickt haben. Es ist öfters behauptet worden, dass Ita- 
fael die Verzierungen der vaticanischen Loggien antiken 
Vorbildern entlehnt habe; dieses kann aber, streng genom- 
men, keinesweges zugegeben werden, denn wenn er auch 
den allgemeinen Charakter und zuweilen einzelne Theile, 
namentlich einige Stuckarbeiten antiken Bildwerken ent- 
nahm, so sind doch alle übrige Ornamente von den uns 
bekannten des Altertlnlms so sehr verschieden, dass nur in 
dem durchgehenden antiken Schönheitssinn und. dem hei- 
tern Spiel der Phantasie eine Übereinstimmung mit den 
antiken sogenannten Grottesken zu linden ist. Wie unge- 
griindet aber die Beschuldigung sei, welcllc Rafael des 
Plagiats und der Zerstörung antiker Malereien beschuldigt, 
indem man einer Stelle im Serlio eine falsche Anwendung
        

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