Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1516785
Der 
Burgbruncl. 
195 
zu halten. Da er nun nicht völlig die tiefe anatomische 
Kenntniss, noch die verwaltende Grossartigkeit wie sein 
mächtiger Rival besass, welche dieser sehr einseitig die 
Kunst zu nennen pflegte, so können wir allerdings in ei- 
ner gewissen Beziehung in des Vasari Ausspruch- ein- 
stimmen, indem er sagt: „Wenn Rafael bei der Behand- 
lungsweise wie bei den Sibyllen in S. Maria dclla Pace 
geblieben wäre, und nicht gesucht hätte sie zu ändern und 
gPandiosc-r zu halten, um zu zeigen, dass er das Nackte 
Eben so gut wie Michel Angelo verstehe, so würde er nicht 
einen Theil des hohen Ruhms eingebüsst haben, den er 
sich erworben hatte; denn obgleich die nackten Figuren, 
Welche er im Burgbrand malte, gut sind, so kann man sie 
doch nicht in allen Theilcn vortrefflich nennen." S0 hart 
auch dieses Urtheil lautet, da fragliche Figuren im Burg- 
bärand immer noch als lilcisterwerke geltenmüssen, so liegt 
doch das Wahre darin, dass Rafael, der die Fähigkeit 
hatte, das Charakteristische und Eigenthümliche in den For- 
men schärfer als irgend ein anderer Künstler seiner Zeit 
zu erfassen und darzustellen, grössern Ruhm bei der Dar- 
Stellung des Nackten erlangt haben würde, wäre er sei- 
11cm eigenen Genius treuer geblieben, ohne den Principien 
der Kunst des Michel Angelo solchen Einfluss bei sich zu 
gestatten. Diese Ansicht erhält noch grössern Bestand, 
wenn wir Rafaefs Studien zu dem Mann, welcher seinen 
alten Vater trägt, und zu dem sich herablassenden Jüngling 
in der Sammlung des Erzherzog Karl betrachten, da diese 
von einer so charaktervollen Wahrheit und Schönheit sind, 
von einem so lebendigen und feinen Gefühl der Zeichnung, 
wie sich diese Eigenschaften in solchem Grade nur in den 
besten antiken Bildwerken vorfinden. Hätte Rafael diese 
seine Kunst bei der Ausführung in Fresco unverrückt im 
Auge behalten, so würde er sich in seiner Eigenthümlich- 
keit, die Natur in ihrer grössten Mannigfaltigkeit zu erfas- 
Sßn, eben so unvergleichbar gezeigt haben, als Michel An- 
3910 in seiner originellen Erhabenheit, oder wie er sagt, 
will Seiner Kunst." Durch diese Auseinandersetzung 
dürfte einem jeden dieser grossen Künstler sein Recht ge- 
13 i"
        

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