Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1516569
Gulatlwa. 
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denl Gew-ölke halb verborgen, hält den Vorrath an Pfeilen. 
Dieses noch wohlerhaltene Frescobild mit lebensgrossexl Fi- 
guren malte Rafael in dem Saal des Hauses von Agostino 
Chigi, jetzt die Farnesina genannt, da es durch ein Decret 
Gregors XIII vom  April 158D zur Tilgung von Schul- 
den öffentlich verkauft und vom Cardinal Alessandro Far- 
nesc erstanden wurde  Durch Erbschaft ist es jetzt im 
Besitz des Königs von Neapel. Das herrliche Gemälde 
wurde fast ganz von Rafaefs Hand ausgeführt, nur der vor- 
dere Triton mit der Nymphe links lassen einigen Zweifel. 
Sonst ist es eben so reizend durch die Lebendigkeit der 
Darstellung, als durch die Schönheit und die Grandiosität 
der Zeichnung und der Charaktere. Die Formen des Nack- 
ten sind, wie bei den Sibyllelz, vielmehr mächtig, denn 
zierlich; dagegen die Färbung klar und heiter, wie es dem 
Gegenstande angemessen ist. Denn in diesem Bilde sehen 
wir den Sieg der höhern Schönheit und einer dem Himmel 
zugewendeteil Seele über üppige Fülle und Lust, oder den 
'l'riumph des psychischen Lebens über das sinnliche. Dass 
Rafael durch die Erzählung vom Cyclopen des Philostrat 
zu seiner Darstellung dürfte veranlasst worden sein, habe 
ich schon im ersten Theil S. 229 zu erwähnen Gelegenheit 
gehabt; so wissen wir auch durch den schon mitgetheilten 
Brief Rafaefs an den Grafen Castiglione, worin jener von 
seiner Galathea sagt, dass er, aus Mangel eines schönen 
Modells, sich dabei eines gewissen Ideals der Schönheit be-  
dient habe, dass unser Gemälde nicht später al im Jahr 
1514 kann entstanden sein. Denn Rafael theilt darin dem 
Grafen seine Ernennung zum Baumeister von S. Peter mit, 
was in jenem Jahr erfolgte. Auch glaube ich sie, dem Cha- 
1) Bayle, Dictionnaire Art. Chigi, Richardsoll, Traite de la 
peinture II p. 46 und Bossi in den Noten zu Roscße geben irrig an, 
dass Paul III, ein Farnese, den Erben des Agostino Chigi das Haus 
gewaltsam entwendet habe, um es mit seinem Palast zu vereinigen. 
Caylo Fea, Notizie intorno RaITaele etc. p. 5 zeigt aber die Un- 
richtigkelt jener Angabe. Die Chigi wollten zwar den Verkauf 
nicht ratiüciren und es vergingen zehn Jahre darüber, ehe Alessan- 
dro Chigi ums Jahr 1590 darein willigte.
        

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