Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1516536
170 
Genzälde 
bis 
1513 
UON 
1515. 
Doni, einem Zeitgenossen des Vasari, herrühren, welcher 
noch um 1580 im Geschmack der spätem Nachahmer des 
Michel Angelo arbeitete. 
Noch bleibt mir eine von Cinelli in seinen Belezze di 
Firenze, Ausgabe von 1677 p. 277 in Bezug auf unser Ge- 
mälde erzählte Anekdote zu berichten. Er sagt nämlich: 
„Rafael aus Urbino hatte für Agostino Chigi in S. Maria 
della Pace, einer Kirche in Rom, einige Propheten und 
Sibyllen mit Engelns gemalt, wofür er auf Abschlag 500 
Scudi erhalten hatte. Eines Tages nun verlangte er auf 
eine höfliche Weise vom Cassir des Agostino (Giulio Borghesi) 
den Rest des Geldes, welches er für seine Arbeit glaubte 
verdient zu haben. Hierüber erstaunte der Cassir sehr, da 
er meinte, dass schon mehr als hinlänglich mit der bezahl- 
ten Summe die Mühe belohnt sei, und liess die Worte un- 
beachtet; worauf Rafael erwiderte: Lasst von einem Sach- 
verständigen die Arbeit schätzen, und ihr werdet dann se- 
hen, wie billig meine Forderung ist. Da nun der Cassir 
wusste, dass der Buonarroto die Sache vortrefflich verstehe, 
und dass es sich oft ereigne, dass aus Ehrgeiz oder Neid 
der Preis eines Gemäldes geschmälert wird, so ersuchte er 
diesen mehrmals, dass es ihm doch gefallen möge sich auf 
die Stelle zu begeben, um des Rafael Figuren zu schätzen. 
Endlich Vging Michel Angele, vom Cassir begleitet, in die 
Kirche; und da sie nun standen das Werk zu beschallen, 
blieb er lange, ohne ein Wort zu sagen, den Blick stets 
nach dem Frescobild gerichtet, das in der That bewundrungs- 
würdig und ausserordentlich ist, und betrachtete aufmerk- 
sam die grosse Kunst. Als er nun vom Cassir dazu aufge- 
fordert wurde, sagte jener, mit dem Finger auf eine der 
Sibyllen deutend, dieser Kopf ist 100 Scudi werth. - Und 
die andern? fragte darauf der Cassir. Die andern sind 
nicht weniger werth, erwiderte Buonarroto. Als dem Ago- 
stino dieser Ausspruch berichtet wurde, denn viele Leute 
befanden sich zu jener Zeit in der Kirche, wollte er alles 
genau vom Cassir erfahren, und unterrichtet, liess er für 
jede Figur ausser den 500 Scudi für fünf Köpfe noch 100 
Scudi für einen jeden der andern Figuren hinzuiiigen, und
        

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